“Manchmal heilen wir alleine schon dadurch, dass ein anderer Mensch uns in unserem Schmerz und unserer Verzweiflung da sein lassen kann”.

Aus eigener Erfahrung und aus Gesprächen mit vielen Menschen weiß ich, dass es Ereignisse im Leben geben kann, die einen derart aus der Bahn zu werfen vermögen, dass man den Eindruck gewinnt, nicht mehr bei sich zu sein.

Was in Krisen mit uns passiert
Wenn uns etwas „aus der Bahn wirft“ bedeutet das meistens, dass wir Gefühle in einer ungekannten Art und Intensität erleben. Tod, Trennungen oder verletztes Vertrauen haben das Potential, unseren Organismus in einen Ausnahmezustand, eine Extremsituation zu versetzen. Wir spüren einerseits, was aufgrund der aktuellen Situation gerade in uns passiert. Dazu können dann noch alte, abgespeicherte und tiefsitzende Gefühle reaktiviert werden, mit denen wir gleichzeitig umzugehen haben (wenn ein „Knopf“ in uns gedrückt wurde).
Weil in „Krisen“ oft alte, „wunde Punkte“ berührt werden, können diese Gefühlszustände kurzfristig einen sehr großen Teil unserer Kraft beanspruchen, uns gefühlt überfordern und uns an unsere Grenzen bringen. Weil das so ist, sind unsere energetischen Reserven dann auch rasch aufgebraucht.

Frage nach Rückzug oder Kontakt?
Wenn wir in solchen Krisen ganz bewusst das Alleinsein wählen, kann uns dies helfen, wieder in unsere Mitte und Kraft zu kommen, zu ordnen, zu verarbeiten und vielleicht zu verstehen. Dieses Alleinsein ist sehr wichtig und hilfreich.
Oft gehen wir unseren Mitmenschen aber aus anderen Gründen aus dem Weg. Wenn wir uns so extrem durcheinander und aufgelöst fühlen, nicht mehr „funktionieren“, ist unsere Angst am größten. Das könnte jemand mitbekommen. Oder davor, dass wir mit all unseren subjektiv viel zu starken Gefühlen, abgelehnt, ausgelacht oder nicht ernst genommen werden.
„Kann ich meinen Freunden so begegnen?“, „ich kann mich doch so nicht zeigen!“, „ich mache das lieber mit mir alleine aus…“. Wenn wir Gefühle als „zu persönlich“, „zu intensiv“ oder „zu peinlich“ empfinden, kann uns das in einer ohnehin schon sehr beanspruchenden Situation sehr verunsichern. Wir sehen nur noch einen Ausweg: Rückzug!

Alleine sagt uns keiner “Du bist ok!”
Zu unserer ohnehin schwierigen Situation kommt auch noch eine Isolation hinzu. Wir sind mit unseren Gedanken und Gefühlen alleine und können dadurch auch keine „Realitätsprüfung“ dessen vornehmen, was da in uns vorgeht. Und keiner sagt uns, dass wir „ok“ sind, dass es uns so gehen darf und wir das Recht haben, völlig „aus dem Lot“ zu sein.
Dadurch lassen wir uns eine große Chance auf Heilung entgehen. Wir heilen durch Annahme, nicht durch Ablehnung. In Krisen werden viele alte, sehr intensive Gefühle wach, die vielleicht niemals von anderen Menschen bezeugt und angenommen wurden. Oft ist dies der wahre Kern unseres Schmerzes. Das Gefühl an eben der Stelle „falsch“ zu sein. Heilung an dieser Stelle kann ein Mensch bringen, vor dem wir uns nicht verstecken. Der uns vielleicht in den Arm nimmt und den gestauten Damm zum Brechen bringt. Eine sanfte Stimme, die sagt: „Hey, es ist ok. Du bist ok. Du darfst durcheinander und aufgelöst sein“ (nicht: „alles nicht so schlimm!“ – denn in dem Moment ist es das für uns!).

Offenheit – ein Akt der Selbstliebe und -annahme
Der Glaube an alte „Tabus“ oder Verbote kann uns daran hindern, uns zu öffnen und anzuvertrauen. Die Überzeugung in bestimmten Situationen nicht „zumutbar“ zu sein oder Angst vor Ablehnung tragen wir wohl alle mehr oder weniger stark ausgeprägt in uns. Wir sind Menschen und als solche auch soziale Wesen. Andere Menschen sind uns wichtig.
Anwesenheit und Anteilnahme eines lieben Mitmenschen kann ganz ohne Worte oder Taten wirken. Wenn dieser Mensch uns so annimmt in eben diesen „Zustand“, können wir es dann nicht vielleicht auch? Wir dürfen uns komplett mit all unseren Facetten ZU-MUTEN (ja, das erfordert Mut!). Dieser Schritt ist ein Akt der Selbstliebe und ein Selbstbekenntnis. Wenn wir uns zu uns selbst bekennen, können wir auf diesem Weg die heilsame Erfahrung machen, dass uns jemand AUS-HÄLT. Dann dürfen wir uns eben da gehalten fühlen, wo wir es vielleicht noch nie spüren durften. Und genau dann kann etwas in uns zur Ruhe kommen und ganz werden.

“Es ist ok!”

P.S.: Wählt die Menschen Eures Vertrauens mit Bedacht – danach ob ihr Euch wirklich verstanden und angenommen fühlt…

Schreibt mir gerne einen Kommentar oder Eure Erfahrungen hierzu…

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