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Antibiotika, Darmbakterien, Ernährung und Autismus – Eine Arte-Dokumentation

Antibiotika, Darmbakterien, Ernährung und Autismus – Eine Arte-Dokumentation

In den letzten Jahren kommen immer mehr wissenschaftliche Studien zu dem Ergebnis, dass die Zusammensetzung der Darmbakterien mit Verhalten, Gesundheit und auch Gefühlen (z.B. Angst [ref]Bercik P, Park AJ, Sinclair D, Khoshdel A, Lu J, Huang X, et al. The anxiolytic effect of Bifidobacterium longum NCC3001 involves vagal pathways for gut–brain communication. Neurogastroenterol Motil. 2011;23(12):1132–9.[/ref]) in Zusammenhang steht.

Die kanadische Dokumentation „Hilfe bei Autismus? Die Rolle der Bakterien“ (Original: „L´Énigme de l`Autismm la piste bactérienne“) von Marion Gruner und Christopher Sumpton wurde erstmals 2012 auf Arte ausgestrahlt (Link zum YouTube-Video am Ende des Artikels). Wissenschaftler und Mütter betroffener Kinder äußern sich hier über die Bedeutung der bakteriellen Darmflora bei der Entstehung von regressivem Autismus.

Vielleicht fragst Du Dich jetzt: „Was hat ein Artikel über Darmbakterien und Autismus hier zu suchen?“ – gute Frage!

Dass die Einnahme von Antibiotika sich negativ auf die Darmflora auswirkt, ist mittlerweile bekannt. Wie stark und weitreichend diese Auswirkungen jedoch sein können, wurde mir erst klar, nachdem ich in einem Zeitraum von zwei Jahren mehrmals Antibiotika verordnet bekommen hatte. Ich erlebte gravierende Veränderungen an mir, war erschöpft, niedergeschlagen, völlig aus der Form, unmotiviert, übellaunig und freudlos. Sonst sportlich und aktiv, fühlte ich mich geistig und körperlich wie ein „nasser Sack“.

Von ärztlicher Seite wurde ein Zusammenhang zur Antibiotikaeinnahme nicht aufgegriffen. Erst als ich diese Dokumentation sah, stellte ich schließlich selbst den Zusammenhang zur Antibiotikaeinnahme her. Dadurch konnte ich mir Wissen aneignen, konkrete Schritte unternehmen (Darmreinigung, Darmsanierung, Probiotika, Ernährungsumstellung, Komboucha) und mich selbst aus dieser als hilflos empfundenen Lage befreien.

„Hilfe bei Autismus? Die Rolle der Bakterien“ ist bedeutsam, weil das ganzheitliche Zusammenspiel unserer „Systeme“ (Körper, Geist und Psyche) aufgezeigt wird. Sie sind nicht „geschlossen“, sondern es findet ein permanenter Informationsaustausch zwischen ihnen statt und sie beeinflussen sich gegenseitig.
Wir wirken täglich durch die Wahl unserer Lebensweise, Gedanken, Ernährung und Medikamente auf unsere Systeme ein. Je mehr wir uns über die Zusammenhänge und Risiken bewusst sind, desto verantwortungsbewusster können wir diese Entscheidungen treffen.

Zusammenfassung der Dokumentation „Hilfe bei Autismus? Die Rolle der Bakterien“ von Marion Gruner und Christopher Sumpton:

„[…] In immer mehr Publikationen wird deutlich, dass Darmbakterien Auswirkungen auf das Gehirn haben..[…]..dass Darmbakterien etwas mit psychiatrischen Erkrankungen zu tun haben..[…]..und dass es ein Geist-Hirn-Körper-Kontinuum gibt und zwar durch die Darmflora. Daher halte ich es für immer wahrscheinlicher, dass Bakterien schwerwiegende Verhaltens- und Hirnfunktionsstörungen auslösen können – bis hin zu Autismus.[…]“ Dr. Martha Herbert (Harvard-Professorin und Kinderneurologin mit Schwerpunkt Autismus)

Darmbakterien und Hirnentwicklung

Die Darmbakterien bilden ein Ökosystem, das als eines der vielfältigsten auf unserem Planeten beschrieben werden kann. Veränderungen an einer Komponente können das ganze System destabilisieren und seine Funktion beeinträchtigen. Hierdurch können Krankheiten verursacht werden. In unseren ersten drei Lebensjahren entwickelt sich bei uns Menschen eine „erwachsene“ Darmflora. Gleichzeitig werden die Synapsen im Gehirn gebildet. Wenn Kinder „Abweichungen“ in ihren Darmkeimen erwerben, kann das die Entwicklung des Gehirns und des Stoffwechsels stören.

Autismus, Antibiotika und Magen-Darm-Störungen

Autistische Kinder haben im Vergleich zu gesunden Kindern viel häufiger Magen-Darm-Störungen (70% der Kinder). Bezüglich ihrer mikrobiellen Darmflora findet man ebenfalls markante Unterschiede – die Darmbakterien autistischer Kinder arbeiten anders. Die Gabe von Antibiotika im Stadium der Entwicklung einer „erwachsenen“ Darmflora (vor dem 3. Lebensjahr) und das Vorliegen von Magen-Darm-Störungen können Autismus auslösen oder verschlimmern. Antibiotika zerstören die mikrobielle Vielfalt der Darmflora. Übrig bleiben antibiotikaresistente, hartnäckige und mitunter krankheitserregende Bakterien, z.B. Bakterien aus der Familie der Clostridien. Diese wurden bei autistschen Kindern vermehrt festgestellt.

Clostridien und Proprionsäure – Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem

Wenn Clostridien Kohlenhydrate fermentieren, dann entsteht als Stoffwechselprodukt die kurzkettige Fettsäure Proprionsäure. Über die Blutbahn gelangt Proprionsäure in die Zellen und dringt aufgrund seiner molekularen Beschaffenheit auch über die Blut-Hirn-Schranke in das zentrale Nervensystem ein. Dort verändert es die Zusammensetzung von Gehirnfetten, Gehirnstoffwechsel und Gehirnfunktionen derart, dass eine weitgehende Übereinstimmung mit den Merkmalen des Autismus bestehen kann. Proprionsäure wird auch als Konservierungsmittel für Brot, Kuchen und Käseprodukte eingesetzt (bekannt als E280).

Mögliche Gründe für die zunehmende Häufigkeit autistischer Störungen

Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen dem Grad der Industrialisierung eines Landes und dem vermehrten Auftreten bestimmter Störungen wie z.B. Autismus. Ein Einfluss der Ernährungspolitik auf Veränderungen in der mikrobiellen Darmflora (Pestizide, Dünger, mehr Mais, fehlende Omega-3-Fettsäuren, raffinierte Lebensmittel, reduzierte Nährstoffdichte) wird angenommen.
Zudem kann vermehrtes Vorkommen von Antibiotika in der Wasserversorgung sich auf die Darmbakterien auswirken. Ungefähr 2/3 der in den USA produzierten Antibiotika werden in der Rinderzucht eingesetzt. Durch Fütterung der Tiere mit Getreide (statt Gras) bekommen diese „säurebedingte Magenschmerzen“, die man mit Antibiotika behandelt. Über Ausscheidungen gelangen Antibiotika in die Wasserversorgung.

Ist eine Behandlung von Autismus möglich?

Clostridien können nur durch ein Antibiotikum – das Vancumycin – bekämpft werden. In einer acht Wochen dauernden Behandlung besserten sich autistische Symptome für die Dauer der Einnahme [ref]Sandler RH, Finegold SM, Bolte ER, et al. Short-term benefit from oral vancomycin treatment of regressive-onset autism. J Child Neurol. 2000;15(7):429-35.[/ref]. Auch Probiotika (d.h. konkurrierende Bakterien) erwiesen sich in mehreren Studien als hilfreich.
Behandlungsansätze konzentrieren sich auf die Reduktion/Entfernung von Proprionsäure oder der Bakterien selbst, z.B. durch Darmsanierung. Wie bereits beschrieben, entsteht Proprionsäure als Stoffwechselprodukt bei der Fermentierung von Kohlehydraten. Durch eine kohlenhydratfreie Ernährung kann den Bakterien der Nährboden entzogen werden, so dass sie keine Schadstoffe mehr prouzieren können.
Menschen mit regressivem Autismus weisen offenbar ein mikrobielles Ungleichgewicht auf, das die Fähigkeit zur Nahrungsverarbeitung stört und sich auf das Gehirn auswirkt. Durch eine gluten- und caseinfreie Ernährung konnten symptomatische Verbesserungen, soziale und Lernfortschritte bei Betroffenen erreicht werden.

„Für die meisten Menschen ist das unvorstellbar, dass jemand Autismus überwinden könnte, weil sie glauben, dass Autismus eine chronische, unheilbare Krankheit ist, die fest im Gehirn verankert ist, an der sich nichts ändern lässt. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es eigentlich keinen Beweis für diese Vermutung gibt…[…]…“ Dr. Martha Herbert (Harvard-Professorin und Kinderneurologin mit Schwerpunkt Autismus)

 

 

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Freieres Leben – Eigene Wege gehen, negative Überzeugungen abbauen, mit den Eltern Frieden schließen….

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