EMPATHIE UND NARZISSMUS

11 Punkte zur toxischen, empathisch-narzisstischen Beziehungsdynamik

11 Punkte zur toxischen, empathisch-narzisstischen Beziehungsdynamik

Aufgrund zahlreicher Nachfragen habe ich beschlossen diesen Artikel zur Beziehungsdynamik zwischen „Empath“ und „Narzisst“ zu verfassen.
Dieser Artikel stellt trotz allem eine Vereinfachung dar und kann niemals die individuellen Facetten aller Menschen erfassen, die mit dieser Dynamik in Berührung kommen.
Falls Du an weitreichenderen Details interessiert sein solltest, findest Du in meinem Blog eine neu gestartete Artikelserie, die den empathisch-narzisstischen Magnetismus genauer erklären kann.
Anhand der Annahmen der Psychoanalyse versuche ich Dir acht gemeinsame Grundkonflikte zu erläutern, die unter der Lupe bei empathischer und narzisstischer Prägung wirksam sein können.
Dadurch bietet die Serie Dir auch wichtige Ansatzpunkte zur Persönlichkeitsentwicklung. Nun aber los!

1. Erläuterndes Vorwort

Bevor ich starte, möchte ich die Verwendung des Begriffs Narzissmus an dieser Stelle noch einmal klären. Ich verwende Labels nur ungern, da sie verallgemeinernd, oft bewertend sind und den Eindruck eines Schuldigen erwecken könnten. Es ist nicht mein Ansinnen, mit diesem Artikel Menschen zu verurteilen, zu stigmatisieren oder mit dem Finger auf sie zu zeigen. Letztlich führt eben das nur noch tiefer in die Sackgasse! Mir geht es darum, von dieser toxischen Dynamik Betroffenen zu helfen, die existierenden Hintergründe und Motive von zwei sehr verletzten Menschen zu verstehen, die mit ihren unterschiedlichen Verhaltensweisen aufeinander treffen. Ich verwende den Begriff Narzissmus, weil er den meisten geläufig sein dürfte. Ebensogut könnte ich den Begriff Gefühlsklärer (aus der Theorie der Dualseelen) oder auch Gefühlsverweigerer (Eigenkreation 😉 benutzen. Denn auch im Rahmen dieser Begegnungen wirken ähnliche Mechanismen, auch wenn die angenommenen Hintergründe auf einer anderen Basis stehen.
Am liebsten würde ich ohne Begriffe auskommen – was aber nötig ist, um die Dynamik fassbar zu machen. Im Grunde beschreibe ich Verhaltensweisen und Gefühle, die bei unterschiedlichen Menschen in mehr oder weniger stark ausgeprägter Form auftauchen können. Jeder Mensch kann  leichte narzisstische Züge aufweisen.


2. Was ist Narzissmus?

Narzissmus ist ein Begriff aus Erzählungen des Dichters Ovid, der Einzug in die Psychopathologie gehalten hat und in diesem Kontext einen Menschen beschreibt, der hinsichtlich seines Verhaltens, emotionalen Erlebens und den sozialen Beziehungen in seiner Persönlichkeit überdauernd “Störungen” aufweist. Narzisstisches Verhalten kann i.R. einer Persönlichkeitsakzentuierung (mildere Form), bei narzisstischen, dissozialen oder Borderline-Persönlichkeitsstörungen in Erscheinung treten (Klarheit bringt nur die professionelle Diagnostik eines Psychologen oder Facharztes). Dabei handelt es sich grob zusammengefasst um einen Menschen mit fragilem Selbstbild und -wert, dessen gesamtes Verhalten und Erleben sich nur um Selbstwertschutz und -aufwertung dreht. Der manipuliert, kontrolliert und abwertet – um sich zu schützen. Diesen Menschen fällt Perspektivenübernahme und Empathie schwer (Mentalisieren). Sie legen in Beziehungen oft ein nahezu autistisches Verhalten an den Tag. Sie können (und wollen) sich nicht von ihrem Selbstbezug weg bewegen (bedrohlich). Äußerst wichtig ist die Aufrechterhaltung externer Bestätigung zur Stabilisierung des geringen Selbstwerts. Altruistisches Verhalten kann vorkommen, meist aber nur zur Demonstration oder Identifikation mit einem besonderen, besseren Ideal-Selbst oder zur Kompensation eines unbewussten Schuldgefühls.
Bewunderung durch Dritte ist extrem wichtig. Dahinter befindet sich eine zutiefst schmerzhafte, seelische Verletzung, ein Nicht-wissen-wie-mit-Gefühlen-umgehen. Daher laufen Menschen mit dieser Prägung oft davon – vor sich selbst, anderen Menschen, Gefühlen – oft ihr ganzes Leben lang. Und sie verletzen – bevor sie selbst verletzt werden.
Ablenkung und Zerstreuung dienen zur Vermeidung von in ihnen wohnenden Gefühlen von Panik, Minderwertigkeit und Angst vor Nähe.
Und gleich an dieser Stelle: Du kannst ihnen nicht „helfen” (so, wie Du es Dir vielleicht vorstellst). Die Entstehung und Auswirkungen der narzisstischen Wunde habe ich hier in einem separaten Artikel beschrieben.


3. Empathen

Auch hier verwende ich den Begriff analog zu hochsensibel oder einfühlsam. Eine exakte Beschreibung findest Du in meinem Artikel: 11 essentielle Dinge über Empathen, die Du kennen solltest. Zudem kannst Du in einem weiteren Artikel etwas zur empathischen Wunde nachlesen – eine Form von Prägung, die ich annehme (die nicht wissenschaftlich belegt ist). Wenn der Empath die empathisch-narzisstische Beziehung mit der empathischen Prägung betritt, kann das die Dynamik intensivieren und auch hinsichtlich der Dauer einen bedeutungsvollen Einfluss haben (wie lange der Empath bleibt).
Wie wir später noch sehen werden, können Empathen in toxischen Beziehungskonstellationen durchaus etwas tun, um den Drama-Kreislauf zu beenden. Dazu erhältst Du hier wertvolle Impulse für Empathen nach/in der empathisch-narzisstischen Beziehung.


4. Der Zauber des Anfangs – Empath und Narzisst

Narzisstische Menschen wirken durch ihr schillerndes Äußeres und ihre besondere Selbstdarstellung oft anziehend auf Empathen. Da beide zwar denselben Konflikt in sich tragen (z.B. Individuation vs. Abhängigkeit) spüren sie eine Form von Vertrautheit, ziehen sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Art und Weise im Umgang mit ihren inneren Konflikten auch wieder an (unterschiedliche Bewältigungsmodi).
Ihre Andersartigkeit lässt sie füreinander interessant werden. Der Empath kennt das Gefühl, außerhalb der Gesellschaft zu stehen und verspürt ein Gefühl von Vertrautheit und Ähnlichkeit. Gleichzeitig nehmen Empathen durch ihre feinen Antennen die Verletzlichkeit des Narzissten wahr. In ihrer eigenen Empfindsamkeit glauben sie, einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Das Selbstbewusstsein und die Bestimmtheit des Narzissten geben dem empathischen Menschen eingangs das Gefühl von Orientierung, Sicherheit, zudem Zugehörigkeit und vielleicht auch Bewunderung. Im Mitgefühl für die Verletzlichkeit des Narzissten ist der Empath bereit, alles zu geben.
Der Narzisst schreit nach Liebe und ist bereit, alles zu nehmen. Schlüssel und Schloss.

Dadurch hat auch der Narzisst das Gefühl der absoluten Passung: „Endlich erkennt jemand meine Besonderheit und ist bereit ist, alles zu geben! Eine Quelle an Zuwendung und Bestätigung!“. Der Narzisst hat den Hauptgewinn gezogen und fließt förmlich über vor Liebe (rauschartiges Erleben durch Aufwertung seiner Person). Tatsächlich liebt der Narzisst den Empathen für das Gefühl, das dieser ihm gibt. Der Narzisst gibt auf die einzig ihm bekannte Weise zurück: Er schenkt dem Empathen Bestätigung, wertet ihn auf, hebt ihn in den Himmel und idealisiert ihn. Eingangs überschüttet er sein Gegenüber vielleicht sogar mit Komplimenten, einzigartigen Worten der Zuwendung und Zusicherung. Der narzisstisch geprägte Mensch ist an dieser Stelle durchaus das, was man als empathisch bezeichnen könnte: Er spiegelt dem Empathen das von ihm empfundene Liebesideal zurück – indem er seine Gefühle, die intensive Liebe und Einfühlung durch Worte und Taten zu bestätigen versucht.

Narzisst und Empath erleben rauschartige Gefühle. Der Empath absorbiert das Gefühl der Narzissten gleich mit. Beide verschmelzen in ihren projizierten Idealvorstellungen voneinander und erleben eine illusionäre Aufhebung ihrer subjektiven Defizite (komplementäre Beziehung). Die in beiden wohnenden Grundkonflikte scheinen erst einmal besänftigt – was sich für beide eingangs nur gut anfühlt.
Durch den Narzissten erlebt der Empath sich seiner Isoaltions- und Unsicherheitsempfindungen enthoben. Er fühlt sich befreit, wahrgenonmmen, gesehen, wirklich gewertschätzt und vielleicht erstmals angekommen. Der Narzisst fühlt sich völlig in seinem grandiosen Selbstbild bestätigt, vollständig akzeptiert, darf die Richtung vorgeben und wird dadurch (zumindest anfangs) in seinen Individuationstendenzen nicht behindert.
Durch die Bescheidenheit und Bereitschaft zur Unterordnung des Empathen sieht er sich keinen seinen Selbstbezug bedrohenden Bedingungen ausgesetzt.


5. Im Verlauf – Das Ideal bekommt Löcher

Empath und Narzisst verbringen eine schöne Zeit auf Wolke 7. Der Narzisst ist in erster Linie selbstbezogen, sucht nach permanenter Selbstaufwertung, Aufregung und dem Gefühlskick. Mit zunehmender Gewohnheit und auch Sicherheit hinsichtlich der Zuverlässigkeit des Beziehung, empfindet er das Zusammensein immer mehr als langweilig und irgendwann sogar lästig. Er nimmt den Empathen mehr und mehr als gewöhnlich wahr. Das Ideal bekommt Löcher. Dabei hat er doch etwas Außergewöhnliches verdient. Im Grunde fühlt sich der Narzisst durch seine eigene Gewöhnlichkeit bedroht. Die Zuwendung und Liebe des Empathen möchte er weiterhin. Aber lieber aus sicherem Abstand. Eine wirkliche Bindung schränkt seine Freiheit ein. Wenn ihm etwas Besseres über den Weg laufen sollte, dann möchte er dem nachgehen können. Schließlich hat er nur das Beste verdient. Zudem erlebt er bei wirklicher Nähe auch immer Angst und Bedrohung (Angst vor Gefühlen, Angst vor Abhängigkeit).
Oft hat er in Kindheit/Jugend eine mit Nähe assoziierte Verletzung (Ablehnung seiner Person) erfahren. Den Schmerz hat er abgekapselt und in einer inneren Kiste fest verschlossen – auch vor sich selbst. Bei Nähe gerät er in Aufruhr und namenlose Panik, die er weder wahrhaben noch annehmen kann. Er muss nach außen stark wirken, darf keine Schwäche zeigen, muss unabhängig und außergewöhnlich bleiben. Lösung: “Die Kiste existiert gar nicht”. Sie wird ausgeblendet. Die Kiste steuert zwar sein Verhalten, aber er selbst ist dafür blind. Kommt ihm jemand nah, bedeutet das Gefahr. Er will Sicherheitsabstand, sich nicht festlegen oder sich wirklich auf einen gemeinsamen Weg einlassen. Er zieht sich emotional zurück.

Der Empath nimmt den Rückzug des Narzissten in seiner Feinfühligkeit sehr deutlich wahr. Es schmerzt ihn zutiefst, aber er spürt auch die Verletzlichkeit und Angst seines Partners. In bedingungsloser Liebe und Verständnis, fühlt er sich in sein Gegenüber ein, während das Verhalten des Narzissten gleichzeitig auch alte, tiefsitzende Gefühle beim Empathen (mit empathischer Prägung) antriggert. Reizüberflutung, Verwirrung und eine fehlende Orientierung hinsichtlich der Frage “was passiert da eigentlich mit mir?” können die Folge sein.
Doch das Liebesideal von der wahren Liebe seines Lebens veranlasst den Empathen dazu, Rückzüge, Ignoranz und vielleicht sogar Abwertungen des Narzissten („sei nicht so empfindlich!“, „du überbewertest das“) vor sich selbst immer wieder zu rechtfertigen oder zu verstehen. Oft stellt der Empath hier das Erleben und die Bedürfnisse des Narzissten vor seine eigenen Empfindungen. Er bewegt sich von sich weg.
Im Vertrauen und voller Mitgefühl glaubt er den Worten seines Gegenübers mehr als den eigenen Gefühlen. Der Empath entwickelt dadurch erste Zweifel an seiner Wahrnehmung. In seiner Bedingungslosigkeit kann er dem Narzissten alles zugestehen. Wenn dieser ein Bedürfnis nach Rückzug hat, dann ist es eben so. Den Schmerz akzeptiert der Empath zugunsten des Beziehungsideals. Doch das bekommt auch auf der Seite des Empathen langsam Löcher. Die Projektion löst sich langsam auf.

Der Narzisst will die Verbindung zum Empathen nicht verlieren, da er dessen Bestätigung und Liebe förmlich aufsaugt. Gleichzeitig möchte/kann er aber auf die Bedürfnisse des Empathen nicht eingehen. Bedürfnisse Dritter die mit einer möglichen Veränderung seinerseits einhergehen, empfindet er als Kritik/Angriff auf seine Person. Er ist in seiner Wahrnehmung immer auf sich selbst fixiert und setzt sich inhaltlich nicht mit dem Bedürfnis seines Gegenübers auseinander. Und wenn, dann allenfalls in Ermangelung von Alternativen und auf genervte Art und Weise.
Meistens geht er in die Verteidigung und dann in den Angriff über (Vergeltung für Kritik, Stabilisierung des Selbstwerts). Ab dem Moment, wo der Empath das Verhalten des Narzissten und seine Bedürfnisse thematisiert, entstehen Auseinandersetzungen, die direkt in den Drama-Kreislauf führen. Um die Verbindung zum Empathen aufrechtzuerhalten, ihn gleichzeitig auf Abstand zu halten und sich der Bedürfnisse zu entziehen, setzt der narzisstisch geprägte Mensch (bewusst oder unbewusst) verschiedene Abwehrstrategien ein. Diese dienen ihm auch dazu, seine eigenen, inneren Grundkonflikte nicht spüren und betrachten zu müssen.


6. Narzisstische Strategien in der Interaktion – Auf dem Weg in den Drama-Kreislauf 
a. Verleugnung/Projektion

Ein Mechanismus, bei dem die eigenen, wahren Gefühle/Bedürfnisse abgestritten, verleugnet und auf das Gegenüber übertragen werden.
Jegliche Form der Konfrontation mit eigenen Anteilen führt beim Narzissten zum Aufwallen von Panik und Wut. Jemand nähert sich der Kiste. Da der Narzisst keinen Zugang zu seinen den Selbstwert bedrohenden Gefühlen hat oder haben will (panische Angst), verleugnet er diese bei sich selbst. Der Empath aber nimmt feinste Nuancen wahr. Spricht der Empath etwas an, dass den Selbstwert des Narzissten bedroht, spürt er zwar etwas, spaltet es jedoch ab und lagert es aus  – auf den Empathen (“das bist doch du!”). Der wird zur Leinwand der Gefühle des Narzissten, erlebt dessen Gefühle (feine Antennen). Alles Erleben des Narzissten landet beim Empathen – der in einem Cocktail aus eigenen und fremden Gefühlserlebnissen überfordert und verwirrt zurückbleibt. Der Empath kann nicht differenzieren zwischen „meins“ und „deins“ (Lernaufgabe des Empathen). Er zweifelt an sich, macht sich Vorwürfe, weil er das spürt, was der Narzisst ihm unterstellt (Projektive Identifikation). Der Narzisst hat bedrohliche Gefühle nach außen verschoben und fühlt sich wieder wohl in seiner Haut. Der Empath ist schuld und hat seine Gefühle auf ihn verlagert. Er unterstellt dem Empathen Projektion – obwohl er selbst projiziert hat. Er dreht den Spieß um. So sät er Zweifel und Verwirrung beim Empathen, die ihn vor weiteren Diskussionen, Nähe und Auseinandersetzungen schützen sollen. Der Empath ist erstmal mit sich beschäftigt, hinterfragt sich selbst. Gleichzeitig beschleicht ihn das Gefühl, dass da “irgendwas nicht stimmt”. Der Narzisst hat seine Ruhe und genießt das Gefühl von Überlegenheit.

b. Manipulation/Kontrolle

Der Empath gibt in der Beziehung bedingungslose Liebe und Aufmerksamkeit. Der Narzisst braucht diese, wie Luft zum atmen. Er möchte um jeden Preis (vielleicht auch unbewusst) Kontrolle über den Empathen. Er erträgt Gefühle von Ausgeliefertsein nicht. Schuldgefühle erlebt er deswegen nicht, da er der Meinung ist, dass Beziehungen so funktionieren. Daher findet auch keine Auseinandersetzung mit eigenen Gefühlen, Mechanismen und Verhaltensweisen statt. Der Narzisst möchte sich hierüber gar nicht bewusst werden, sieht darin keine Notwendigkeit. Was er hingegen genau verstanden hat ist, wie der Empath funktioniert. Und dieses Wissen macht er sich (bewusst oder unbewusst) zunutze.
Er wird es nicht auslassen zu erwähnen, dass er bewundert oder gelobt wurde, um zu klarzustellen, dass auch andere Menschen Interesse an ihm haben. Auch wird er immer wieder subtil verdeutlichen, dass er nicht auf den Empathen angewiesen ist. Dadurch stellt er klar, dass er keine Verpflichtung zur Verantwortung hat und der Empath in der „Bringschuld” ist. Dass er jederzeit gehen kann. Er trifft beim Empathen dadurch einen Nerv – dieser steigert sein Verständnis und seine Bemühungen (anfangs noch), um den Narzissten nicht zu verlieren.
Auch kann es im Zuge von Auseinandersetzungen passieren, dass der Narzisst auf Bedürfnisäußerungen des Empathen die Trennungskarte ausspielt: „willst Du Dich jetzt trennen?“ (s.u.). Dadurch aktiviert er das Bindungsbedürfnis des Empathen, der durch die empfundene Bedrohung der Beziehung vermehrte Anstrengungen “im Sinne der gemeinsamen Sache” unternehmen wird. Zusätzlich unterlässt der Empath es immer mehr, eigene Bedürfnisse anzusprechen.
Die erlebte Frustration wird dabei eine Zeit lang schwächer sein, als die mit der Bedürfnisäußerung verbundene Angst vor Trennung. Der Narzisst spürt die Aktivierung des Empathen und leitet daraus seine Wichtigkeit für den Empathen ab – er erhält wiederum das, was er zum Leben braucht – Bestätigung, das Gefühl von Überlegenheit und Aufmerksamkeit. An den Gefühlen des Empathen ist er – wenn überhaupt – nur in seinem Sinne interessiert.

c. Entwertungen/Externalisierung/Abwehr

Weitere Mechanismen, um den Empathen auf Abstand zu halten und die Bedrohlichkeit der Bedürfnisse abzuwenden, sind Entwertungen, Externalisierungen und Abwehr. Der Narzisst vermeidet er ein inhaltliches Eingehen auf Bedürfnisäußerungen (empfundener Angriff, Beleidigung seiner Besonderheit). Er kann es nicht. Wo ein anderer Mensch entgegnen würde: „Ok, so fühlst du dich gerade – gibt es etwas, das ich tun kann?“ wechselt der Narzisst die Kommunikationsebene. „Du bist aber empfindlich!“ (Externalisierung/Abwertung – es liegt am Empathen), „Ach, das überbewertest du“ (Abwehr, Externalisierung) oder „du hast aber damals auch XY gemacht..“ (Abwehr, Themawechsel). Eine inhaltliche Klärung des Anliegens wird nicht erfolgen. Durch Abwehr, Externalisierung (auf andere Umstände zurückführen) oder Entwertung (Verharmlosung, auf Defizit des Empathen zurückführen) sichert sich der Narzisst die Kontrolle über die Interaktion. Er verändert den Gegenstand des Gesprächs, um dieses nicht führen zu müssen (Abwehr). Er möchte und kann sich der Verantwortung einer gemeinsamen Beziehung und der Sicherung eines authentischen Miteinanders (Vorsicht Kiste!) nicht stellen. Der Empath wird das Gefühl haben, mit seinem Anliegen gegen eine Wand zu laufen (Ärger). Gleichzeitig will er aufgrund seines Ideals dem Narzissten das Gefühl geben, für ihn da zu sein (Mitgefühl).
Ein zusammenfassendes Video zu den Abwehrmechanismen Externalisierung und projektive Identifikation findest Du zudem hier auf meinem YouTube-Kanal.

d. Vergessen

Ein Phänomen, bei dem der Narzisst für den Empathen wichtige Themen nicht mehr erinnert, dadurch entwertet und sich von der Verantwortung einer Veränderung befreit. Kommt ein für den Empathen wichtiges Beziehungsthema wiederholt zur Sprache (z.B. Rückzug des Narzissten), hat der Narzisst dies vergessen. Darin steckt eine implizite Entwertung des Empathen (“war nicht so wichtig, dass ich mir das gemerkt habe”), was den Empathen (zurecht) verärgert. Gleichzeit weist der Narzisst dadurch die Verantwortung von sich. Schließlich hat sein Gedächtnis das nicht abgespeichert, also konnte er daran nicht arbeiten (“Tut mir leid, ich hab es einfach vergessen”). So vermeidet er eine reale Auseinandersetzung mit dem Empathen und sich selbst als Teil einer partnerschaftlichen Beziehung. Abgesehen davon stabilisiert das Vergessen (Verleugnung) seinen Selbstwert (“war da was?”). Er kann so alle mit seiner Person in Verbindung stehenden kritischen Anmerkungen ausblenden und sich seiner Selbstaufwertung widmen. Der Narzisst möchte sich nicht mit den Anliegen des Empathen beschäftigen. Die partielle Demenz seines Partners verletzt den Empathen zutiefst. Der empfundene Ärger prallt durch Ablehnung der Verantwortungsübernahme (“mein Gedächtnis”) des Narzissten an selbigen ab. So ist es am Ende wieder der Empath, der in seiner Verletztheit verärgert und hilflos zurückbleibt. Die Erklärung des Narzissten lässt keine andere Möglichkeit zu. Und keinesfalls will der Empath dem Narzissten etwas vorwerfen, worauf dieser keinen Einfluss hat (Liebesideal). Zum Thema Verleugnen und Vergessen findest Du hier auch ein Video von mir auf Youtube.

e. Rückzug und Ignoranz (Ghosting)

Rückzug, Ignoranz und Ghosting setzt der Narzisst oft nach Auseinandersetzungen ein (Bestrafung) oder um sich Bedürfnissen Dritter und unangenehmen Gesprächen zu entziehen. In Kontaktphasen, in denen der Empath im nicht zu nahe kommt, eine lange Leine lässt und anhaltend sein Bedürfnis nach Wertschätzung/Bewunderung erfüllt, gibt es keinen Grund für Rückzug.  Thematisiert der Empath ein für den Narzissten unangenehmes Thema, geht es ihm schlecht oder meldet er Bedürfnisse an, wird der Narzisst sich zurückziehen. Die Frequenz des Kontakts wird weniger oder gänzlich unterbrochen. Dann braucht der Narzisst Zeit für sich.
Hat der Empath ein Bedürfnis oder die Wahrnehmung eines Gefühls beim Narzissten thematisiert, wird der Narzisst die Ebene wechseln (s.o.), dies in einen Angriff auf seine Person verwandeln (Abwehr, Projektion). Ohne inhaltlich auf die Äußerungen des Empathen einzugehen, wird er sich verteidigend und verletzt zurückziehen. Im Rückzug wird er sich nicht mit dem besprochenen Thema befassen, sondern für ihn lustvolle Dinge tun, mit denen er sich zerstreuen, aufwerten und von seinem Ärger ablenken kann (z.B. Alkohol, Begegnungen mit anderen Menschen, Sex, Flirts, Konsum sozialer Medien, TV). Der Narzisst geht auch nicht auf die Suche nach dem Grund für seinen Ärger. Für ihn ist klar – der Empath ist schuld (Externalisierung)! Er sieht keine Notwendigkeit und hat auch kein Bedürfnis zur Selbstreflexion. Das käme für den Narzissten einer Beleidigung gleich. Der Narzisst lässt den Empathen warten, ganz ohne Mitgefühl oder emotionale Beteiligung für das Befinden des Empathen. Nur er selbst zählt. Der Empath soll nach sich schauen, dass er wieder klarkommt. Schließlich hat der ihn angegriffen. Er ist überzeugt, dass er ein Anrecht auf unangefochtene Bestätigung für seine Außergewöhnlichkeit hat.
Wiederholt ungeklärte Themen lassen den Empathen im Verlauf immer mehr verwirrt, frustriert und verärgert zurück. Seine Gedanken kreisen um die Interaktion und den Narzissten. Er ist aktiviert, verängstigt und besorgt. In der Phase des Rückzugs fließt dadurch weiter Aufmerksamkeit (auf energetischer Ebene) zum Narzissten. Das gibt ihm ein Gefühl von Überlegenheit, Kontrolle und Bedeutsamkeit für den Empathen (auch negative Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit). Der Narzisst meldet sich wieder, wenn der Empath sich selbständig reguliert hat. Er spürt den Abfall der Aktivierung des Empathen. Er will sich durch sein Melden seiner weiteren Bedeutsamkeit und der Zuwendung des Empathen versichern. Gleichzeitig fühlt er sich nun wieder sicher. Der Narzisst wird so tun, als sei nichts gewesen oder fragen, ob der Empath sich wieder eingekriegt hat (Entwertung). Durch seinen Rückzug hat der Narzisst auch einen Themenwechsel vollzogen – Gegenstand ist nun das in seinen Augen für den Rückzug verantwortliche Verhalten des Empathen. Das ursprüngliche Anliegen des Empathen bleibt wiederum ungeklärt. Meistens ist der Empath nur erleichtert und dankbar, seine Gefühle sind verraucht und der Partner wieder da. Der Empath passt sich an dieser Stelle dem Narzissten an – er beginnt zu verleugnen. Falls der Empath hartnäckig bleibt, kann der Narzisst sich an das Thema nicht mehr so genau erinnern (Vergessen).

f. Double-bind (widersprüchliche Botschaften)

Double-bind bezeichnet das Senden sich widersprechender Botschaften. Z.B. äußert der Narzisst, dass er für den Empathen immer da sein wird, zieht sich aber beim kleinsten Anlass zurück. Anhand des obigen Beispiels meldet sich der Narzisst nach seinem Rückzug und gibt an, dass er Kontakt von seiner Seite wieder möglich wäre. Der Empath sei ihm ja wichtig. Er äußert nicht, dass er den Kontakt will – denn dadurch würde er sich bedürftig und schwach fühlen. Der Narzisst delegiert die Verantwortung an den Empathen (Kontakt ja/nein). Er wird nachfragen, ob der Empath so weit sei.
Der Narzisst führt Bedingungen für den Kontakt ein und betritt mit Kontrolle die Bühne. Er stellt implizit Optionen zur Verfügung, schließt für ihn Unangenehmes aus (Auseinandersetzung). Ein Festhalten am ungeklärten Thema (Bedürfnis des Empathen) stellt er als Defizit dar (Entwertung). Der Empath ist unreif, noch nicht so weit (wie der Narzisst) wenn er selbstfürsorglich an seinen Bedürfnissen festhält.
Der Narzisst etabliert einen Standard, der auf Verleugnung und eigenen Interessen beruht und ihm in jedem Fall ein Überlegenheitsgefühl beschert.
Das komplette Verhalten des Narzissten steht im Widerspruch zu der eingangs ausgesendeten Botschaft, dass der Empath ihm wichtig sei. Allenfalls in seinem Sinne.
So oder so. Der Empath schliddert durch die Doppelbotschaft in Entwertung und ein nebulöses Gefühlschaos. Er schwankt zwischen Frustration, Ärger und Wunsch nach Wiederherstellung des Kontakts. Das Vertrauen des Empathen auf der emotionalen Ebene macht ihn blind für das, was wirklich passiert. Er kann die Doppelbotschaften des Narzissten nicht als solche erkennen, weil er zu aktiviert, verwirrt und gutgläubig ist.
Der vom Narzissten eingeführte Maßstab setzt ihn unter Druck. Er will nichts falsch machen. Hier wird deutlich, dass der Empath im Grunde Angst vor dem Verhalten des Narzissten hat.
Er hinterfragt sein Anliegen („bin ich vielleicht doch zu empfindlich?“), anstatt den festgesetzten Standard oder das Verhalten des Narzissten zu hinterfragen. Er verliert im wahrsten Sinne des Wortes sein Selbst-Vertrauen (weil er von seinem Gefühl für sich nach und nach Abstand genommen hat).
Der Narzisst wiederum mentalisiert seine eigenen Aussagen nicht und hinterfragt auch nicht die sich widersprechende Logik seiner Aussagen. Für ihn gibt es nur seine Sicht der Dinge und den festgesteckten Rahmen seiner eigenen Wahrnehmung und Weltsicht.

Die beschriebenen Abwehrmechanismen findest Du zum Teil auch in meinem Exkurs zu Energievampirismus – und wie Du Dich davor schützen kannst wieder.


7. Der Drama-Kreislauf

In der Kommunikation zwischen Empath und Narzisst entwickelt sich dadurch automatisch ein Drama-Kreislauf. Dieser ist bedingt durch die Mechanismen des Narzissten und des Empathen gleichermaßen (die Anteile des Empathen sind detailliert in einem separaten Artikel aufgeführt).
Äußert der Empath ein Bedürfnis, werden im narzisstisch geprägten Menschen seine inneren Konflikte angetriggert – er hat Angst vor Nähe, Abhängigkeit und Verantwortung. Der Narzisst wird dadurch mit seinen existentiellsten Ängsten konfrontiert und reagiert fast automatisch auf Basis seiner Bewältigungsstrategien mit den oben beschriebenen Mechanismen („Wie sehr soll ich mich denn noch für Dich verändern? Ich hab manchmal das Gefühl, dass ich es Dir überhaupt nicht Recht machen kann!“, „vielleicht wärst Du mit einem weniger komplizierten Partner besser dran“). Der Narzisst vermeidet auf alle erdenkliche Weise eine inhaltliche Auseinandersetzung mit seiner Person, seinen Ängsten und dadurch auch mit den Bedürfnissen des Empathen. Das Interaktionsmuster, seine Abwehr (also sein Bewältigungsmodus) triggern wiederum dieselben innere Grundkonflikte im Empathen, der diesen nur anders begegnet (siehe auch Artikel zu den gemeinsamen Grundkonflikten). Der Empath erlebt dadurch – und weil er nicht versteht, wie ihm geschieht – immer wieder die empathische Reizüberflutung.
Durch projektive Identifikation und Wechsel der Inhaltsebene übergeht er den Empathen und fokussiert auf seine Kränkung. Der Empath, in seinem Grundthema der Zurückweisung angetriggert bleibt verwirrt und verletzt zurück, während der narzisstisch geprägte Mensch sich unter Bezugnahme auf seine (subjektiv erlebte) Kränkung verletzt zurückzieht.
Im Verlauf erlebt der Empath zunehemde Frustration und Wut, reguliert dies nicht durch wirkliche Klärung (nicht möglich, da zwei verschiedene Wahrnehmungsebenen), sondern zwangsweise selbständig in Abwesenheit des Narzissten (Rückzug, Ghosting). Das Anliegen des Empathen bleibt ungeklärt.

Der Empath meldet sich in dieser Zeit, weil er Disharmonie und Ungewissheit nicht mehr aushält. Der Narzisst tut dies zur Bestätigung seiner Bedeutsamkeit. Der Narzisst setzt aber voraus, dass der Empath sich zu melden hat, da dieser ihn gekränkt hat. Er wird ihn fragen, ob es einen Grund für die lange Kontaktpause gab (will offenbar eine Erklärung). Er delegiert die aktive Verantwortung an den Empathen, lässt eigene Anteile (seinen aktiven Rückzug) und Gefühle des Empathen völlig außer acht.
Der Empath dürfte spätestens hier völlig verwirrt sein, an seiner Wahrnehmung zweifeln und durch den am Narzissten abprallenden Ärger (projektive Identifizierung) und seine berechtigte Angst vor erneuten Entwertungen überaktiviert. Durch die anhaltend anstrengende und fruchtlose Misskommunikation ist der Empath zunehmend erschöpft und kann nicht mehr klar denken.

Innerhalb des Drama-Kreislaufs gibt es nun mehrere Möglichkeiten: der Empath will einfach nur, dass alles wieder gut ist und verzichtet auf eine Klärung. Dadurch entfernt er sich von sich und seinen Bedürfnissen.
Zweite Möglichkeit: Der Empath beantwortet die Frage nach Gründen für die Kontaktpause wahrheitsgemäß (Wunsch des Narzissten, ungeklärtes Thema). Der Narzisst hat zwar nach Gründen gefragt, will sie aber eigentlich nicht wissen (“double-bind”). Er hört und verarbeitet nicht auf der Ebene, auf der der Empath spricht. Dem Narzissten geht es bei der Frage nach Gründen um die Schuldverteilung. Er möchte sicherstellen, dass er selbst frei von Schuld ist (Selbstbild). Durch seine Aussagen und die Benennung der Verantwortung des Narzissten, nimmt der Empath ihm genau diese Illusion. Beim Narzissten platzt an der Stelle schon die innere Bombe.

Erläuterungen des Empathen, dass es ihm nicht um Schuld, sondern Verantwortung geht, laufen ins Leere. Der Narzisst macht hier keinen Unterschied und hat bereits seine komplette innere Abwehrmiliz aktiviert.
Bleibt der Empath hartnäckig, fordert eine Veränderung des Verhaltens, wird der Narzisst die Trennungskarte ausspielen: „willst Du Dich trennen?“.
Ein erneuter Themenwechsel. Der Empath versteht die Welt nicht mehr und auch nicht, wie er sich dem Narzissten verständlich machen soll. In Anbetracht der ausgesprochenen Trennungsfrage steht der Empath vor einer inneren Zerreissprobe: Das deutliche Gefühl von “da stimmt was nicht” ignorieren oder weiter nachfragen und eine Trennung riskieren? Schon wieder liegt die Verantwortung bei ihm.
Er wird von Angst und Panik überflutet (Aktivierung seiner alten Wunde) und vollzieht den Themenwechsel wahrscheinlich mit, den der Narzisst eingeläutet hat. Er wird erklären, dass er sich nicht trennen will, dass es ihm um Klärung geht. Der Narzisst fühlt sich unmittelbar in seiner Bedeutsamkeit für den Empathen bestätigt und überlegen. Sein wichtigstes Anliegen ist geklärt. Er hat den Empathen in der Hand (Kontrolle). Nun lehnt er sich zurück, hört dem Empathen ruhig in seinen Rechtertigungen zu. Er wird sich wohl und sicher fühlen, während der Empath Gründe aufzählt, die gegen eine Trennung sprechen und damit die Besonderheit und Bedeutsamkeit der Verbindung (des Narzissten) betont. Durch seine Kontrolle über den Empathen entwickelt sich das Gespräch ganz in seinem Sinn vom Ursprungsthema weg. Und das weiß und genießt er. Der Empath ist blind geworden und hat sein ok gegeben: Zu Anspannung, ungeklärten Themen und einer Abgabe der Kontrolle. Diese verdeckte Form eines Ja zu diesem gemeinsamen Umgang entspricht auch ein Stück weit einem Ja zu emotionaler Erpressung.

Vielleicht wird der Narzisst gelegentlich vorgeben, an sich arbeiten zu wollen. Ohne zu wissen, woran eigentlich – denn er erinnert sich nicht mehr und erachtet sich selbst im Grunde als unfehlbar. Spricht der Empath eine ausbleibende Verhaltensänderung an, wird der Narzisst dem Empathen Zerstörung der Harmonie oder das Aufwärmen alter Geschichten vorwerfen (Themawechsel, Entwertung).

Der Narzisst weist jegliche Verantwortung von sich. Der Empath erklärt sich zum X.ten mal erneut, der Narzisst lehnt sich zurück oder dreht es in einen Vorwurf um (s.o.). Im Drama-Kreislauf gibt es keine inhaltliche Konstanz. Der Narzisst hält das Heft in der Hand. Der Empath ist verängstigt, verwirrt und wütend zugleich. Das eigentlich für den Empathen wichtige Thema wird niemals zuende besprochen, dafür wird er aber in Panik und Verwirrung versetzt. Da es keinen wirklichen Ausweg gibt, wird der Empath in seiner Überforderung irgendwann anfangen auszurasten, seine Wut auszudrücken und vielleicht auch übersteuert reagieren und selbst manipulativ werden.
Mit der Folge, dass wieder alles von vorne losgeht. Der Empath muss aufgeben und einlenken, um zur Ruhe zu kommen, die für ihn wichtige Harmonie wiederherzustellen oder den Narzissten nicht zu verlieren. Er entfernt sich konstant von sich selbst und seinen Bedürfnissen. Der Narzisst weiß das und setzt dieses Wissen für seine Zwecke ein. Die Wiederherstellung einer für ihn als angenehm empfundenen Situation von Bewunderung, Zuneigung und Sorgenfreiheit. Eine Situation , in der er sich ohne Einschränkung auf seine Interessen konzentrieren kann, ohne sich mit eigenen Anteilen, Gefühlen oder den Bedürfnissen seines Partners auseinandersetzen zu müssen. Er wird alles tun, um diesen Zustand zu erreichen. Alternativen gibt es für ihn nicht.

Der Drama-Kreislauf resultiert in einer anhaltenden „double-bind“-Situation hinsichtlich der kommunizierten Botschaften. Der Narzisst sagt „ich will die Beziehung“, äußert anschließend aber, nicht über Bedürfnisse des Empathen oder sich selbst reden zu wollen. Er will, dass „alles wieder gut“ wird, spielt dann aber die Trennungskarte aus. Das ist nun die Basis dieser Beziehung.


8. Was wirkt auf der Seite des Empathen?

Ursachen und Auswirkungen der möglichen, im Empathen wirkenden Prägung findest Du hier.
Der Empath hat ein hohes Liebesideal (siehe Luca Rohleder – “Die Liebe empathischer Menschen”). Nichts soll zwischen ihn und seinen Geliebten kommen. Er ist im hohen Maß bereit, sich für das Gemeinsame zu engagieren, dem geliebten Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass er willkommen und von Herzen geliebt ist. Entsprechend ist der Empath immer bemüht, Dinge zu klären, zu verstehen, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen.
In der Anfangsphase zwischen Empath und Narzisst stellt der Empath viele persönliche Wünsche zugunsten des Miteinanders (und des daraus resultierenden Gefühls!) zurück. Dies ist die Entscheidung und Verantwortung des Empathen! Wenn der Empath feststellt, dass da „etwas nicht stimmt“ kommt es zu ersten klärenden Gesprächen. Durch Verleugnung/Projektion des Narzissten erlebt der Empath z.B. Wut, ohne dass er wüsste, weshalb. Er beginnt zu reflektieren (was der Narzisst nicht tut!), sich in Frage zu stellen: „wieso bin ich wütend? War das meine Schuld?“
Die Kommunikation des Narzissten unter anhaltender „Doppelbindung“ verwirrt den Empathen (und jeden anderen Menschen). Der Empath wird Opfer seiner Feinfühligkeit und seines Liebesideals. Er geht mit dem Narzissten mit. Am Ende des Gesprächs fühlt er sich bei wiederhergestellter Harmonie besser. Er spürt aber auch den Selbstverrat. Im Verlauf wird er seine Selbstfürsorge aus den Augen verlieren, seine innere Stimme mehr und mehr ignorieren. Er hört dann nur noch manchmal dieses Flüstern „du bleibst hier auf der Strecke“.
Themenwechsel und Projektion lassen den Empathen emotional immer verwirrter werden. Schuldgefühle sind wahrscheinlich. Unter permanenter Verdrehung der Tatsachen wird der Empath seine eigene Wahrnehmung in Frage stellen  (“wie konnte ich das denken?”). Schließlich hat der Narzisst gesagt, dass er ihn liebt, die Beziehung will und auch daran arbeiten möchte.
Was der Empath nicht sehen kann und will: Der Narzisst meint das nur in seiner Vorstellung von Beziehung. Was sonst noch gesagt oder geschehen ist, blendet der Empath aus, weil es nicht in sein idealistisches Menschen- und Beziehungsbild passt. Er möchte seinem geliebten (anhaltend abstreitenden) Gegenüber nichts unterstellen. Der Empath beginnt, den Narzissten ernster und wichtiger zu nehmen, als sich selbst. Er möchte seine Vorstellung der Beziehung nicht gegen die Realität eintauschen, bzw. zweifelt aufgrund der sich widersprechenden Aussagen des Narzissten aufrichtig an ihr. Der Narzisst nährt immer wieder das Beziehungsbild des Empathen zur Sicherstellung der bedingungslosen Liebe und Bewunderung. Seine wahren Motive sind nicht sichtbar für den Empathen.

Die Abläufe im Innenleben des Empathen und sich daraus ergebende Entwicklungschancen habe ich in einem weitere Artikel zusammengefasst.


9. Die Eskalation – narzisstisch-empathische Trennung

Meistens wird es der Narzisst sein, der sich trennt – auch wenn der Empath die Trennung aus Erschöpfung irgendwann aussprechen wird. Der Narzisst hat sich innerlich schon lange vom Empathen getrennt. Als dieser begonnen hat, das Verhalten des Narzissten verändern zu wollen, das Einlassen thematisiert hat (Vorsicht Kiste!). Aus Sicht der Beziehungsvorstellung des Empathen gab es nur in der Anfangsphase eine wirkliche Beziehung (Rausch). Der Empath war so in der Bedingungslosigkeit seiner Liebe, dass der Narzisst seine Mauern vielleicht etwas gelockert hatte und sich wirklich (zu seinen Konditionen) verbinden wollte.
Wenn der Empath seine eigenen Bedürfnisse wichtig zu nehmen beginnt und äußert, zieht der Narzisst seine Mauern hoch. Ein Machtkampf in Form des Drama-Kreislaufs nimmt seinen Anfang und eskaliert schließlich. Der Empath schafft den Ausstieg lange nicht, da er von sich selbst meilenweit entfernt und voller Angst ist. Der Narzisst sieht weder die Notwendigkeit zur Auseinandersetzung mit den Inhalten des Empathen und ist für eigene Anteile blind.

Nach Trennung wird der Narzisst wahrscheinlich phasenweise diffuse Panik, Angst und aufdrängende Gedanken erleben – weil er niemanden mehr als Projektionsfläche und zur Selbstaufwertung hat. Er wird sich das aber mit einem “schlechten Tag” oder prämenstruellen Beschwerden o.ä. erklären. Vielleicht schmerzt ihn der Verlust – nicht der Beziehung oder des Empathen, aber er bemerkt den Wegfall von Bewunderung und bedingungsloser Liebe (die gegen Ende nicht mehr bedingungslos sein konnte).
Er wird mit aller Macht versuchen, sich seine Anteile und Gefühle nicht anzusehen (Verneinung), sondern einfach so weitermachen. Mit Hingabe wird er sehr wahrscheinlich exzessiv das tun, was er immer getan hat. Vor seinen Gefühlen flüchten. Falls es nicht direkt eine andere Quelle von Zuwendung und Aufwertung gibt, kann es auch sein, dass er phasenweise sogar Schuld einräumt und vielleicht sogar die Beziehung wieder haben möchte. Das Einräumen eines Eigenanteils an Verantwortung wird aber kaum von Dauer sein. Sobald er wieder hat, was er braucht, kippt das Spiel wieder ins alte Fahrwasser. Er wird verleugnen oder vergessen haben, was er gesagt oder zugegeben hat. Das ist Schnee von gestern.
Wahrscheinlicher wird er sich nach einer Trennung zerstreuen, aufwerten lassen, in Aktivitäten oder neue Verbindungen stürzen. Um sich selbst, allen anderen und v.a. dem Empathen zu zeigen, dass er niemanden braucht und „stark“ ist (Überlegenheit).
Das Scheitern der Beziehung wird er auf den Empathen externalisieren oder äußern, dass es nicht gepasst hat (womit er im Grunde Recht hat!). Keinesfalls wird er seine eigenen Anteile reflektieren. Dadurch würde er sich selbst in Frage stellen und käme in Kontakt mit für ihn unerträglichen Zuständen von Angst, Minderwertigkeit und Kontrollverlust (Kiste). Er kann und will sich diesen Gefühlen nicht stellen (siehe Artikel über die narzisstische Prägung).

Der Empath wird länger an dem Beziehungs-Aus zu knabbern haben. Er wird reflektieren, hinterfragen, versuchen zu verstehen, was eigentlich passiert ist. Durch den Verlust des Partners, die wiederholten Abwertungen wird er massiven Selbstzweifeln ausgesetzt sein (bis er den Drama-Kreislauf durchschaut). Da die energetische Verbindung zum Narzissten noch besteht, wird er auch über Distanz vor der Aufgabe stehen, dessen Gefühle und die eigenen voneinander zu trennen.
Durch die Beziehung reaktivierte Gefühlen seiner eigenen, alten Wunde aktivieren ihn zudem. Verwirrt und verletzt, sich der zurückliegenden Enttäuschung nun (zunehmend) bewusster werdend, läuft er Gefahr durch seine hohe Empfindsamkeit in einen emotionalen Burn-Out zu geraten.
Die Konfrontation mit seiner alten Wunde verursacht einen Gefühlsbrei. Er, versucht gedanklich Klarheit zu erreichen, einen Überblick zu bekommen – alles zu entwirren und bleibt nicht selten in einer sehnsuchtsvollen Fixierung auf den Narzissten stecken. Weil er immer noch um die Wahrheit ringt (“Ich habe doch seine Verletzlichkeit und Liebe gespürt!”).
In der Verarbeitung erlebt der Empath alte, gemeinsame Situationen erneut. Er sehnt sich einerseits nach dem Gefühl der rauschartigen Verbundenheit, während er verzweifelt versucht, sich selbst zu verstehen.
Denn der innere Widerspruch zwischen den intensiven Gefühlen zu Beginn und der tatsächlichen Situation jetzt kann sich für den Empathen lange Zeit unlösbar anfühlen. Empathen vergessen nicht. Er zweifelt an seiner eigenen Wahrnehmung, seinen Gefühlen (eine Katastrophe für Empathen!). Er reflektiert sich – im Gegensatz zum Narzissten – fast zu Tode und lässt oft auch an dieser Stelle noch die notwendige Selbstfürsorge vermissen. Was dem Empathen oft nicht bewusst ist – dass er den Weg zu sich selbst wieder zurückfinden muss. Weil er sich Stück für Stück leise verlassen hat. Und so fühlt er sich auch – von allen verlassen.
All das auf einmal zu bewältigen ist eine enorme Herausforderung.
Genau deswegen schreibe ich über dieses Thema – um Dir hier einige Erkenntnisse zu schenken und Dein Leiden dadurch möglicherweise zu verkürzen.
Eine Beschreibung des Erlebens von Empathen, deren Wachstumschancen und Lernaufgaben findest Du in einem separaten Artikel.


10. „Es gibt einen Moment, wo er/sie zur Erinnerung wird“

Dieser Moment wird die Erlösung des Empathen markieren. Es wird der Moment sein, in dem der Schmerz zu groß wird. Wo bewusst gesetzte Stiche, Entwertungen (der Gemeinsamkeiten oder des Empathen), subtile oder direkte Angriffe nicht mehr ertragen werden können. Der Moment, in dem der Empath aufgibt, den Narzissten überzeugen oder sich verständlich machen zu wollen. Der Moment, in dem der Empath begreift: „Es kommt nicht an“.
Die Einsicht, dass alle Erklärungsversuche in den Drama-Kreislauf führen, an dessen Ende Unterordnung, Schuldgefühle, Wut, Ärger, Trauer und Verwirrung auf den Empathen warten. Eine Klärung ist nicht möglich. In dem Moment, wo der Empath das und den Drama-Kreislauf versteht, die Ursachen und Mechanismen durchblickt – dieser Moment öffnet dem Empathen die Tür für eine bewusste Entscheidung: „will ich das so wirklich?“.
Der Empath hat die Chance, sich erstmals wieder wichtig zu nehmen und auszusteigen. Die Erkenntnis: „Es hat keinen Sinn!“ ermöglicht wirkliches Loslassen. Endlich!


11. Die Chancen des Empathen

Der erlebte Schmerz des Empathen ist ein Hinweis: „Du hast Dich vergessen. Du hast Deine übergeordneten Ideale und Ansprüche an Dich selbst über Dein eigenes Wohl gestellt. Und wenn Du ganz ehrlich in Dich hineinschaust, dann weißt Du das auch“. Die Crux ist: Wenn der Empath den Narzissten hasst, macht er sich dadurch erstens selbst zum Opfer. Zweitens bleibt die Verbindung bestehen – auf energetischer Ebene. Denn Hass ist eine Form von Aufmerksamkeit, die weiterhin fließen wird. Der Narzisst spürt den weiterbestehenden Einfluss, den er noch hat und genießt diese Aufmerksamkeit.
Das ist auch der Grund, weshalb der Narzisst vielleicht nach Trennung kurz in das Leben des Empathen crasht. Dabei geht es nicht um wirkliches Interesse am Empathen. Sondern um seinen Selbstwert: Aufhebung/Umkehr einer Kränkung, Überlegenheit durch Abchecken, ob er noch bedeutsam für den Empathen ist. Und/oder das Abladen eines emotionalen Pakets. Sobald er eine Reaktion (positiv oder negativ) erwirkt hat, wird er wieder auschecken, den Empathen noch kurz entwerten und wieder verschwinden. Für den Empathen besteht die Kunst darin, dieses Muster zu durchschauen, bei sich zu bleiben und nicht in der Wut steckenzubleiben.
Die Chance des Empathen ist, dass er sich an erste Stelle zu setzen beginnt. Sich dem zuwendet, was in ihm ist. Sich die Zeit gibt, um aus der Überstimulation auszusteigen. Sich zu schützen. Klarheit zu gewinnen. Seine Anteile zu reflektieren. Verantwortung für sich zu übernehmen. Ein Prozess beginnt. In meinem Artikel In 10 Schritten aus der empathischen Reizüberflutung findest Du konkrete Hilfestellung für den ersten Teilschritt dieses Prozesses.


12. Schlusswort

Weder ist der Empath Opfer, noch der Narzisst Täter. Beide agieren von ihrem aktuellen Bewusstseinslevel mit ihren Strategien. Beide tun dies, um nicht in Kontakt mit ihrer ursprünglichen Wunde, ihren alten Verletzungen zu kommen. Beide können aus dieser Verbindung lernen. Sofern beide dies wirklich wollen und die volle Verantwortung für sich übernehmen, die Bereitschaft aufbauen, bei sich selbst hinzusehen.
Dieser Artikel beschreibt modellhaft eine Interaktionsdynamik, die in mehr oder weniger ausgeprägter Form vorkommen kann. Dieser Artikel wurde v.a. für empathische Menschen verfasst und bezieht sich daher hauptsächlich auf die Darstellung narzisstischen Interaktionsverhaltens. Dies deshalb, um Verständnis für mögliche Abläufe und Mechanismen zu ermöglichen und Menschen zu helfen, aus diesem Drama-Kreislauf auszusteigen. Wenn sich Menschen mit narzisstischen Verhaltensweisen angesprochen und zur Reflektion ermutigt fühlen, freut mich das ganz besonders!

Wie bereits erwähnt mag ich “Label” nicht sehr gerne und heute empfinde ich (wieder) Liebe und v.a. Mitgefühl für Personen, die narzisstisches Verhalten in vergangenen Beziehungen gezeigt haben. Mit einem feinen Unterschied: ich habe die Verantwortung für mich und meine eigenen Anteile übernommen und verstanden, dass das Setzen gesunder Grenzen und die Selbstfürsorge von entscheidender Bedeutung sind. Heute kann ich alles so stehenlassen, wie es ist.

Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch einen eigenen, individuellen Weg geht und auf diesem immer die bestmöglichsten Entscheidungen trifft. In diesem Sinn wünsche ich Dir, der/die Du diese Zeilen liest, Vergebung im Herzen und eine Reise in die Selbstermächtigung – hin zu Deinem wahren Selbst und Deinem vollen Potential!

 

Falls Du Wege aus dem empathisch-narzisstischen Drama-Kreislauf suchst, in bestehenden Verbindungen einen verbesserten Umgang mit narzisstischem Verhalten finden möchtest, begleite ich Dich i.R. meines Narzissmus Detachment Coaching gerne ein Stück auf Deinem Weg.
Wenn Du Dich auf Deinem Weg in die Selbstermächtigung von mir begleiten lassen möchtest, darfst Du Dich gerne über mein Empath Empowerment Coaching informieren.
Ein unverbindliches Vorgespräch (20 Min.) ist übrigens immer kostenlos! Zum reinschmecken ;-). Nimm einfach Kontakt mit mir auf!

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9 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Ruth Teufel
24. Juli 2018 13:54

Liebe Kristina,
deine Artikel sind sehr hilfreich und lehrreich. Vielen Dank.
Ich komme aus einer toxischen empathisch-egonzentrischen(narzisstischen) Beziehung, Es war bis jetzt das absolut Härteste, was ich in puncto Beziehungen jemals erlebt habe. Dieser Wahnsinnsschmerz…. Ich frage mich immer, müssen diese egozentrischen Menschen niemals ihre Baustellen beackern? Sie gehen einfach weiter als ob nichts gewesen wäre zum Nächsten. Kann das sein?

Antworten
    Kristina Peters
    25. Juli 2018 0:03

    Liebe Ruth,
    herzlichen, herzlichen Dank für Deine lieben Worte! Es ist schön, dass die Artikel ihren Zweck erfüllen…ein weiterer ist in Arbeit…Auf Deine Frage – müssen müssen sie nichts. Die eigenen Baustellen zu beackern würde ja bedeuten, erst einmal bei sich selbst welche wahrzunehmen. Das “Weitergehen” ist für Menschen mit dieser Prägung gut möglich, weil sie in der Lage sind abzuspalten. Daher – ja, es ist möglich. Liebe Grüße zu Dir, Kristina

    Antworten

Hallo Kristina, das ist das wirklich Allerbeste was ich bislang zum Thema Narzissmus gelesen habe und es hilft mir gerade ungemein das Erlebte zu “verdauen” und die Trennung zu verarbeiten. Ich finde die Beziehungsdynamik mit meiner Narzisstin dort ziemlich genau wieder…

Antworten
    Kristina Peters
    1. August 2018 20:22

    Hallo lieber Roland, herzlichen Dank für die tolle Rückmeldung. Auch wenn die ganzen Gefühle dennoch da sind, kann die Klarheit es etwas erleichtern – und ebenso klingt es bei Dir. Ich freue mich! Danke Dir sehr! Und viel Kraft für Deinen Weg zurück zu Dir – in die Selbstliebe <3.
    Kristina

    Antworten

Liebe Kristina,
hätte ich diesen wunderbaren Artikel doch schon vor 4 Jahren gelesen, dann wäre mir viel Leid erspart geblieben.
Vor 2 Wochen habe ich es entgültig beendet. Völlig entkräftet und verwirrt, da ich nur noch an mir gezweifelt habe. Vor 2 Monaten habe ich eine Psychologin kontaktiert, weil ich völlig am Boden war und dachte, dass ich nicht in Ordnung bin. Jetzt wird es immer klarer und baue mich langsam wieder auf. Ihr Artikel ist meine Geschichte 1:1. Vielen Dank für Ihre Arbeit. Sie wird vielen Menschen helfen. Liebe Grüße Heike

Antworten
    Kristina Peters
    2. April 2019 8:27

    Liebe Heike,
    vielen Dank für Deinen Kommentar und die Einblicke in Deinen Weg. Du bist sehr kraftvolle, klare Schritte auf Dich selbst zugegangen und für jeden weiteren Schritt wünsche ich Dir Zuversicht, Vertrauen, Mut und v.a. ganz viel Verständnis und Annahme für Dich selbst. Es warten Geschenke auf Dich <3. Alles Liebe, Kristina

    Antworten
    Kristina Peters
    7. Juli 2019 22:41

    Liebe Heike, das ist in jedem Fall sehr verwirrend, ja. Und ich kann gut verstehen, wie das gewesen sein muss – weil selbst drei Mal erlebt. Ich wünsche an der Stelle einfach ganz viel Kraft, Mut und Vertrauen. Es lohnt sich! Und wenn es von Interesse ist – es gibt einen neuen Bereich im Blog: Storyteller. Da werden Menschen ihre Geschichten erzählen und es kann noch mehr Verständnis in die Welt kommen. Alles Liebe und – Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen….<3 Kristina

    Antworten

Ich kenne es, und man muss sehr stark sein, um nicht total gebrochen herauszugehen aus solchen Begegnungen: https://www.lesenmitlinks.de/psychische-gewalt-die-gefaehrliche-geliebte/

Eine Spezialistin, die ich damals aufgesucht habe, schreibt in ihrem Gutachten: „Sie kamen zu Beginn der Behandlung in einer schweren Krise. Meine Diagnosen waren ‚schwere depressive Episode’ mit Suizidalität und akute ‚Belastungsreaktion’.
Auslöser der Krise war das Ende einer Beziehung zu einer Frau, von der Sie überzeugt waren, sie sei die Frau ihres Lebens. Die Beziehung war geprägt durch destruktive Muster, die Irritationen und Schuldgefühle hervorriefen. Für mich war sichtbar, dass Sie sich verstrickten und es Ihnen nicht gelang, Ihrem Impuls nachzugeben, gehen zu müssen. In einem Chaos von Kälte, Irritationen und Manipulationen verirrten Sie sich, jeder Selbstschutz wurde unterdrückt. Obwohl die Beziehung nur wenige Wochen dauerte, blieben Sie verstört und depressiv zurück.“

Und in meinem Roman “Sandbergs Liebe” beschreibe ich genau diese Manipulation: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2019-02/sandbergs-liebe-roman-jan-drees-rezension

Hier berichtet ein reales Opfer, das es beinahe nicht überlebt hätte: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/generator-gaslighting-wie-aus-liebe-emotionale-gewalt-wird-100.html

Er sagt unter anderem: „Wenn wir unterwegs waren, habe ich versucht, mich zu beherrschen. Wenn wir im Café saßen, habe ich krampfhaft in Tinkas Gesicht geschaut, bloß nicht in Richtung anderer Tische. Ich bin unsicher geworden. Ich bekam Panikattacken. Ich hatte fürchterliche Verspannungen und Schlafstörungen. Mir war klar: jederzeit kann eine neue Bombe hochgehen.“

Antworten
    Kristina Peters
    3. April 2019 5:47

    Lieber Jan,
    Danke für die Links und den Verweis auf Deine Arbeit. Aus der Rezension geht die Komplexität des Geschehens hervor – das Wechselspiel der Protagonisten, wenngleich ich Deinen Roman auch nicht kenne. Und ja, es erfordert viel innere Stärke und Kenntnis der eigenen Untiefen, Muster und Unsicherheiten, um sich aus der Dynamik schälen zu können, die Irrwege und Manipulationen als solche zu erkennen. Das kann ein sehr langer Prozess sein und im schlimmsten Fall dazu führen, dass das Vertrauen in die Menschen verloren geht. Im besten Fall findet man den Weg in ein neues, gestärkteres, selbstbewussteres und ganzheitlicheres Ich, erweitert um all jene Aspekte, welche man im Gegenüber idealisierenderweise zu sehen glaubte. Das Ende einer Maskerade, die wir auch auf kollektiver Ebene wiederfinden und vielleicht auch dort in die Integration bringen können.
    Dankeschön für Deinen Kommentar!
    Alles Liebe,
    Kristina

    Antworten

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