BEFREIT

Hochsensibilität und die empathische Wunde – zwischen bedingungsloser Liebe und Abhängigkeit

Hochsensibilität und die empathische Wunde – zwischen bedingungsloser Liebe und Abhängigkeit


A. Erläuterndes Vorwort

Empathische oder hochsensible Menschen zeigen sich oft einfühlsam, verständnisvoll und warmherzig gegenüber ihren Mitmenschen. Sie empfangen viel, ihre Antennen entdecken kleinste Feinheiten – auf allen Kanälen. Sie erspüren oft Energien, haben häufiger Zugang zur nicht sichtbaren Ebene des Erlebens. Ihr Fühlen wirkt im wahrsten Sinne des Wortes übersinnlich. Damit bringen sie den unfassbar wertvollen Schatz von tiefem Mitgefühl in die Welt. Gelebte Werte von Verbundenheit, Fürsorge und Nächstenliebe wohnen naturgemäß in ihrem Wesen. Wenn ihr Geben und Einfühlen unter Wahrung der Selbstliebe erfolgt, können sie ihr Potential an Wärme, Verständnis und echter Zuwendung heilsam einsetzen. Was für ein Geschenk!

Diese Gabe bringt auch Herausforderungen mit sich:
Die feinen Antennen führen manchmal zur Überflutung von Eindrücken. In zwischenmenschlichen Beziehungen stehen empathische Menschen vor der Aufgabe, eigene von fremden Gefühlen zu unterscheiden, bei sich zu bleiben. Empathische Menschen können sich aus den Augen verlieren, ihren Fokus (manchmal unbewusst) auf das Gegenüber verlagern und dessen Gefühle für die eigenen halten. Eigene Bedürfnisse und Wünsche werden nicht mehr klar gespürt, vermischen sich mit Fremdgefühlen. Angst, Unsicherheit und die empathische Reizüberflutung können die Folge sein. Klare Entscheidungen sind erschwert. Gesunde Grenzen scheinen zu verwischen und können daher auch im Außen nicht gesetzt werden (ein deutliches Nein wird nicht geäußert, weil inneres Chaos herrscht).
Viele empathische Menschen leiden unter genau diesem Umstand.
Doch wieso ist das so? Sind empathische/hochsensible Menschen von Natur aus so? Oder handelt es sich um eine Prägung/Wunde?

Elaine N. Aron geht bei hochsensiblen von einem biologisch determinierten, breiteren, neuronalen Netzwerk aus, das die erhöhte Rezeptivität und Empfänglichkeit erklärt. Sie und andere Forscher gehen von einem Anteil von 15-20% hochsensibler Menschen in der Gesamtbevölkerung aus. Luca Rohleder schreibt in seinem Buch „Die Liebe empathischer Menschen“ von einem ungeheilten Neugeborenen-Ich, das es zu integrieren und für das es die Verantwortung zu übernehmen gilt (Drei-Ich-Modell nach Rohleder). Gleichzeitig betont er das Liebesideal der empathischen Menschen, das sich auf Basis dieser frühkindlichen Erfahrung entwickelt haben soll.

Wenn Du meine Meinung dazu hören möchtest: Ich glaube, dass alle Menschen im Grunde sehr sensibel sind. Eine umfassende Wahrnehmungsfähigkeit und Feinfühligkeit ist in uns allen irgendwie verankert. Im Laufe unseres Lebens (oder auch mehrerer Leben, wenn Du daran glaubst) erleben wir aber alle auch schmerzhafte Dinge. Diese Dinge wirken sich auf den Umgang mit dieser Fähigkeit aus.
Der eine verschließt sich total für seine Sensibilität im Außen und bezieht sich nur noch auf sein eigenes Innenleben, der andere ist vorwiegend im Außen und tut sich schwer, komplett bei sich und seinen Gefühlen zu bleiben.

Es gibt aber auch viele wunderschöne Unterschiede zwischen uns Menschen. Und ja, einige Kinder fühlen feinere Nuancen, als andere, sind vielleicht empfindsamer. Während andere vielleicht mehr abkönnen und nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen sind. Jeder Mutter, die diese Zeilen hier liest, wird das sicher bestätigen können.
Hochsensibilität ist also per se keine Wunde oder gar ein Handicap.

Bestimmte Kinder brauchen mehr Verständnis und erleben ihre Gefühle breiter, feiner als andere.
Beim Vorherrschen idealer Bedingungen (Verständnis, liebevolle An- und Begleitung) können sowohl ein gesunder Selbstwert als auch Feinfühligkeit vorhanden sein.
Gesunde Grenzen können gesetzt werden, die Trennung zwischen eigenen und fremden Gefühlen kann einfacher gelingen.

Wenn das sehr feine Fühlen auf eine früh notwendige Außenorientierung trifft, kann ein Mensch diese Fähigkeit noch weiter trainieren und äußerst empathisch, vielleicht sogar hypersensibel werden.
Bei Hypersensibilität kann eine höhere Wahrscheinlichkeit gegeben sein, bestimmte prägende Erfahrungen zu machen. Einige Mechanismen und Prägungen können nachhaltig wirken und auch blockieren.
Wenn besonders sensible Kinder in bestimmten Umständen aufwachsen, macht das eine bestimmte frühkindliche Prägung/Wunde aus meiner Sicht wahrscheinlicher.
Eine Prägung, durch die Denken, Fühlen und Handeln hauptsächlich an anderen Personen orientiert zu sein scheint (während beim narzisstisch geprägten Menschen der Fokus auf seiner eigenen Person liegt).

Wichtig: Die Begriffe Empathie/Hochsensibilität oder Narzissmus stellen keine Wertung dar. Ich distanziere mich von der Vorstellung von Gut/Böse, Opfer/Täter. Die Begriffe dienen der Beschreibung von zwei Ausprägungen, die sich im Grunde ähnlicher sind, als man denken mag. In einem weiteren Artikel, werde ich mich explizit diesen Gemeinsamkeiten widmen.

Dieser Artikel beleuchtet die sichtbare Ebene – das, was wir hier sehen. Daher ist dieser Artikel etwas sachlich geraten.
Darüber glaube ich daran, dass jede Seele bereits eine Geschichte in sich trägt, die sich auf das Ausmaß an Zugänglichkeit zu unseren Gefühlen auswirken kann und ebenfalls in unser Leben wirkt.


B. Ausflug in die ersten Lebensmonate – wichtige Details zum Verständnis

Dieser allgemeine Abschnitt bezieht sich nicht nur auf die empathische, sondern auch auf die narzisstische Wunde. Es ist für das Verständnis der Entstehung der Wunden auf beiden Seiten bedeutsam, die folgenden Abschnitte zu verstehen und zu verinnerlichen. Falls Du diesen Abschnitt bereits kennst, überspringe ihn einfach.

 

1. Die Symbiose

Im Mutterleib lebt der Embryo in körperlicher Symbiose mit der Mutter. Sie teilen einen Blutkreislauf, Nähr- und Schadstoffe. Und nicht nur das. Die Systeme sind untrennbar miteinander verflochten. Das kleine Wesen erlebt Empfindungen und Zustände der Mutter mit, als seien es die eigenen. Es existieren zig Studien, die belegen, dass z.B. erhöhter Stress in der Schwangerschaft eine messbare Auswirkung auf den Neuankömmling haben kann. Das ist kein Wunder – schüttet die Mutter Stresshormone aus, empfängt diese auch der Embryo. Ich bin davon überzeugt, dass Babys bereits im Mutterleib das gesamte Spektrum an Zuständen mitbekommen. Beispielsweise auch, ob die Eltern sich freuen oder ob Ängste bestehen, das Kind vielleicht gar nicht gewollt ist o.ä. Das kleine Wesen erlebt also bereits Empfindungen, noch bevor es die Welt betritt.  Die Trennung bei der Geburt ist ein natürlicher Prozess, der die physische Symbiose beendet.

2. Die emotional-energetische Symbiose

Emotional-energetisch besteht die Symbiose nach Geburt in den ersten Lebenswochen fort. Bei Nervosität oder Ängstlichkeit der Mutter wird das Baby selbst unruhig und weint. Die Empfindungen der Mutter sind überlebenswichtig! Ein Säugling ist im wahrsten Sinne des Wortes abhängig von seiner Mutter. Durch die Symbiose spiegelt er so der Mutter ihre Gefühle zurück. Neben den eigenen Ausnahmezuständen, die er erlebt, kann er dadurch auch so auf sich aufmerksam machen: „Da stimmt was nicht! Es geht mir nicht gut. Kümmer dich um mich!“ oder „So geht es mir gut! Ich bin zufrieden!“. Vielleicht merkt der empathische Leser an dieser Stelle auf? Dieses Programm dient der Überlebenssicherung des Kindes und stellt für Eltern oft eine Herausforderung dar. Sie bekommen neben den zu versorgenden Gefühlszuständen ihres Kindes ihren eigenen Zustand von diesem zurückgespiegelt.

3. Das Spektrum erlebter Gefühle – Himmel vs. Weltuntergang

In der vollständigen Versorgungsabhängigkeit erlebt das Kind im wesentlichen zwei Empfindungen: BehagenUnbehagen, bzw. LustUnlust. Man könnte auch sagen weiß vs. schwarz. Himmel vs. Weltuntergang. Bei letzterem macht das Kind durch Schreien auf sich aufmerksam. Dieses von der Natur in uns abgelegte Programm dient der Überlebenssicherung des körperlich und emotional komplett abhängigen Kindes. Die erlebten Gefühle sind sehr intensiv, erreichen mitunter ein existentiell bedrohliches Ausmaß, verbunden mit massiver Angst und Unruhe. Nur so kann der Säugling ein deutliches Signal mit Aufforderungscharakter aussenden: „mach was!“.

4. Das Erleben von Verständnis – angemessene Reaktion der Eltern

Im Laufe der Zeit erfahren Kinder im Idealfall, dass ihr Schreien gehört wird. Die Reaktion der Eltern führt zur Beruhigung und die Zustände von Weltuntergang verlieren nach und nach an Bedrohlichkeit. Das Kind beginnt, sein Schreien zu variieren, was den Eltern eine Differenzierung erlaubt: Ist das Kind hungrig? Hat es Schmerzen? Will es Nähe? Benötigt es Schutz? In dieser Zeit bildet sich eine feinere Kommunikation zwischen Kind und Eltern aus. Verstehen Eltern die Signale und reagieren angemessen, macht das Kind die beruhigende Erfahrung von Verständnis. Sein Verhalten (Schreien) führt zu einem Ergebnis (die Eltern kommen und machen das blöde Gefühl weg). Es entwickelt sich eine Vorstufe von Selbstwirksamkeit („ich kann etwas bewirken“).

5. Gesunde Entwicklung von Ich-Bewusstsein, Autonomie und Selbstvertrauen

Bei empfundener Sicherheit und Versorgung durch die Eltern kommt es so in den ersten 18 Lebensmonaten zur Etablierung einer sicheren Bindung. Die Umwelt wird als verlässlich und zunehmend konstant wahrgenommen. Das Kind entwickelt Objektpermanenz (“auch wenn ich Mama nicht sehe, ist sie da”). Das Kind beginnt zu explorieren, seinen Aktionsradius auszuweiten und eigene Erfahrungen zu machen. Ein natürlicher Trieb, bei dem der Abstand zu den Eltern immer größer, die symbiotische Verbindung immer schwächer wird.

Das Kind erkennt sein eigenes Selbst, entwickelt ein Ich-Bewusstsein (Rouge-Test, ca. 18 Monate). Die Eltern beginnen dem Kind zu vermitteln, wie Gefühle reguliert werden können. Das Kind lernt am Modell der Eltern (Modelllernen, Bandura). Die Verbalisation der Eltern hilft dem Kind auch, sich verstanden zu fühlen und so ein Verständnis für das eigene Erleben zu entwickeln („jetzt bist du erschrocken, weil du hingefallen bist…“). Eltern fungieren quasi als Lotsen in der emotionalen Regulation. Das Kind verliert so die Angst vor Gefühlen und löst sich im Verlauf immer mehr aus der Abhängigkeit. Es erkundet die Umwelt, autonomisiert sich und entwickelt etwas sehr Essentielles – Selbstvertrauen und das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können (Selbstwirksamkeitserwartung).

 


C. Die Entstehung der möglichen, empathischen Wunde

Jedes Kind benötigt in den ersten Lebensmonaten die umfassende Liebe und Fürsorge der eigenen Eltern (meist primär der Mutter), um sich akzeptiert, geliebt und angenommen zu fühlen. Die hierfür notwendige, liebevolle Anleitung, Begleitung und Erklärung kann für Eltern von sehr feinfühligen Kindern besondere Herausforderungen mit sich bringen.
Die Entwicklung kann gut gelingen, wenn ein Elternteil selbst einen bewusst einfühlsamen Umgang mit dem Kind hat oder in der Lage ist, die vielleicht feineren Reaktionen zu verstehen, aufzugreifen und darauf einzugehen. Eltern sind auch hier Spiegel für Selbstverständnis und -akzeptanz des Kindes. Erlebt das empathische Kind Verständnis für sein So-Sein kann es auf dieser Basis auch einen Umgang mit den intensiven Empfindungen erlernen.
Die empathische Wunde/Prägung entsteht meiner Meinung nach im Zusammenspiel aus der Hochsensibilität selbst, Temperament und bestimmten Bedingungen, denen das empathische Kind ausgesetzt sein kann:

1. Die emotional-energetische Symbiose – die Strategie der Identifikation
2. Frühe Invalidierungen – Verdrängung eigener Empfindungen
3. Das einsame, abhängige und wütende Kind
4. Angst als Signal für die Außenverbindung – keine eigenständige Regulation der Gefühle
5. Überzeugungen und Selbstwert

 

1. Die emotional-energetische Symbiose – die Strategie der Identifikation 

Hochsensible Menschen besitzen feinere Antennen und eine intensivere, nachhaltigere Speicherung von Gedächtnisinhalten. Hierdurch wird der frühkindlich natürliche, überlebenssichernde Mechanismus der emotional-energetischen Symbiose mit der Mutter schon früh als eine funktionierende Lösungsstrategie abgespeichert. Das Kind lernt, dass es über emotionale Verschmelzung mit der Mutter (und später eines Dritten!) eigene Gefühlszustände regulieren kann.

Ohne dass es von Eltern erkannt werden muss, kann das empathische Kind dadurch über die eigentlich dafür vorgesehene Phase hinaus, die symbiotische Verbindung aufrechterhalten und in ein Stellvertreter-Fühlen rutschen. Dies wird umso stärker der Fall sein, je häufiger das Kind in seinen Bedürfnissen nicht gesehen oder gar missachtet und invalidiert wird.

Beispiel:
Die kleine, sehr sensible Stefanie (12 Monate) weint und möchte von der Mutter hochgenommen werden. Die Mutter ihrerseits leidet an einer Depression und ist gedanklich sehr mit sich und ihren Eheproblemen beschäftigt. Ihr
 Weinen führt dazu, dass die Mutter in ihrer Überforderung zunehmend verzweifelt wird. Sie drückt ihrer Tochter ein Spielzeug in die Hand und verlässt den Raum. Die Antennen von Stefanie lassen sie Trauer und Verzweiflung der Mutter spüren, während sie selbst gleichzeitig (!) in ihrem Bedürfnis unverstanden und ängstlich zurück bleibt. Stefanie unterbricht ihr Weinen und wendet automatisch die emotional-energetische Symbiose-Strategie an, die in ihrem Gedächtnis für solche Situationen als Lösungsweg abgespeichert ist. Stefanie lächelt die Mutter bei ihrer Rückkehr an und erhält als Reaktion ebenfalls ein Lächeln. Die Mutter beugt sich zu ihrem vermeintlich fröhlichen Kind herunter und nimmt es hoch. Stefanie bekommt, was sie sich gewünscht hat und ist wieder ruhig und entspannt. Die Strategie war erneut erfolgreich.
Die kleine (weniger sensible) Sabine erlebt mit ihrer Mutter eine ähnliche Situation, läuft ihrer Mutter aber hinterher und drückt ihre Verzweiflung immer massiver durch Weinen und Schreien aus. Sie geht nicht in die emotional-energetische Symbiose. Sabines Gefühle bleiben in ihrem Erleben vordergründig. Die stärker ausgedrückte Not ihrer Tochter veranlasst die Mutter, eigene Gefühle erst einmal hinten an zu stellen und wendet sich Sabine mitfühlend zu, nimmt sie auf den Arm und tröstet sie.     

Wenn es dem Kind durch seine Antennen und die abgespeicherte Symbiose-Strategie gelingt, Zuwendung, Schutz und Beruhigung zu erreichen (indem es z.B. der traurigen, apathischen Mutter zulächelt, obwohl es selbst traurig/ängstlich ist), wird die Strategie verstärkt. Gefühle innerer Not spürt das Kind durch Einwirken einer Bezugsperson dann nicht mehr. Setzt sich dieser Trend in der Entwicklung fort, verfestigt er sich immer mehr.
Das Einverleiben von Gefühlen, Werten, Idealen und Einstellungen dient dazu, einen inneren Konflikt abzuwehren. In der psychoanalytischen Fachsprache wird dieser Abwehrmechanismus als Introjektion (später auf bewussterer Ebene Identifikation) bezeichnet. Der Abwehrmechanismus dient der Reduktion des mit dem Konflikts verbundenen Angsterlebens. Das empathische Kind erlernt also vorzugsweise einen Abwehrmechanismus, zu dem es einen anderen Menschen braucht, dessen Gefühle es sich einverleiben kann (im Gegensatz zum narzisstisch geprägten Menschen, der sich von anderen Menschen komplett abschneidet).

 

2. Frühe Invalidierungen – Verdrängung eigener Empfindungen 

Invalidierungen sind bei empathischen Menschen von Natur aus wahrscheinlicher, weil Innenleben und Wahrnehmung weitaus komplexer ist. Eltern können nur Gefühle verstehen, die sie selbst kennen und erlebt haben. Wenn Eltern Schwierigkeiten haben, die emotionalen Zeichen zu deuten oder sich in die Welt ihres Zöglings hineinzuversetzen, können sie ihm kein hundertprozentiges Verständnis entgegenbringen. Der Spiegel fehlt oder ist unvollständig.

Noch ausgeprägter wirken sich Invalidierungen aus, wenn Eltern selbst überfordert, bedürftig, auf eigene Probleme konzentriert sind oder schlicht ein grober, rauer Umgangston in der Familie herrscht. Ganz zu schweigen von Parentifizierung und Missbrauch jeglicher Art.
Empathische/hochsensible Kinder erleben schon den Schmerz kleinster Zurückweisungen intensiver und speichern sie nachhaltiger ab. Im Rahmen der kindlichen Logik kann eine erste Grundüberzeugung entstehen: „keiner versteht mich!“ oder bei fehlender Beachtung “ich bin unwichtig”.

Bei fehlender Beachtung und Würdigung der kindlichen Gefühle, ist es in seiner Erlebniswelt zumindest teilweise sich selbst überlassen, findet nur unzureichende Erklärungen für sein So-Sein oder stellt nicht gespiegelte Empfindungen (und damit einen Teil seiner selbst) in Frage. Ähnlich wie beim narzisstisch geprägten Menschen kann dieses Erleben von Unverstanden-Sein eine existentiell bedrohliche Panik auslösen.
Auf Dauer sind diese Empfindungen so belastend, dass das Kind – wie das narzisstisch geprägte – diesen Teil abspaltet oder verdrängt. Wenn dies wiederholt geschieht, automatisiert sich der bekannte Mechanismus: Bedrohliches Erleben wird verdrängt zugunsten der rettenden Strategie der emotional-energetischen Symbiose, die Linderung verschafft. Das empathische Kind läuft so Gefahr, eine (emotionale) Versorgerrolle einzunehmen. Im Gegensatz zur narzisstischen Prägung (Spaltung, völlige innere Abschottung, passiver Modus) entsteht durch die empathische Prägung eine Tendenz zur Außenorientierung (Identifikation, völlige Verbindung, aktiver Modus). Beide Mechanismen dienen demselben Zweck: Der Vermeidung existentiell bedrohlicher Angst und Panik.

 

3. Das einsame, abhängige und wütende Kind 

Dadurch wächst (wie beim narzisstisch geprägten Menschen) auch im empathisch verwundeten Menschen ein einsames, abhängiges, verängstigtes und oft wütendes Kind heran. Eigene Empfindungen müssen zugunsten überlebenssichernder Signale der Außenwelt zurückgedrängt werden. Um diese wahrnehmen und darauf reagieren zu können. Anhaltende Empfangsbereitschaft und Aufmerksamkeit können zu permanenter innerer Unruhe und Anspannung führen (siehe empathische Reizüberflutung), während das Kind in dieser Konstellation zunehmend den Kontakt zu eigenen Empfindungen verlieren kann. Es kann sich weder komplett kennen-, noch verstehen lernen.

In der Erlebenswelt des empathischen Kindes werden bestimmte Gefühle als bedrohlich etikettiert: eben solche, welche die erworbene Strategie zur Gefühlsregulation über die Außenwelt gefährden. Werden Unverständnis und Zurückweisung wiederholt erlebt, entstehen aber immer wieder Wut und Frustration – die direkt verdrängt werden, sich aber innerlich auch anstauen.
Auch gesunde (!) egozentrische Impulse oder Wünsche, welche im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung notwendig und sinnvoll sind gehören dazu. Sie dienen eigentlich der Ablösung und Autonomieentwicklung des Kindes, lassen es eigenständig seine Umgebung explorieren, Selbstbewusstsein und -vertrauen gewinnen. Das empathische Kind hat auf Basis seiner Erfahrungen aber gelernt, dass auf einen anderen Menschen angewiesen ist. Es wird sich schwerer tun, sich von den Bezugspersonen zu entfernen.
Bei gegebener Parentifizierung kann das Kind vielleicht sogar die Überzeugung entwickeln, für die erwachsene Bezugsperson zuständig zu sein.
Auf Basis dieses Modells wird es dem empathischen Kind schwerfallen, frei zu explorieren, sich abzulösen und seine eigenen Erfahrungen zu machen. Entfernt es sich von der Bezugsperson, erlebt es Angst und wird fast magnetisch zurückgezogen.

Abwenden oder Verlust eines Anderen stellt für das empathische Kind in seiner Welt eine kleine Vernichtung dar. Dann gibt es keine Rettung. Die Verdrängung der Impulse und Gefühle wird umso stärker der Fall sein, je häufiger Eltern auf Wut invalidierend oder gar bestrafend reagiert haben.
Fazit: Es kommt durch diese Konstellation zu einer Abspaltung/Verdrängung von unerwünschten Gefühlen: Wut, Frustration und egozentrische Impulse werden in eine Kiste gepackt und fest verschlossen (siehe narzisstische Prägung).
Innerlich kann eine anhaltende Wut auf die primären Bezugspersonen bestehen bleiben.

 

4. Angst als Signal zur Außenverbindung – keine eigenständige Regulation der Gefühle 

Angst wird zu einem Gefühl, das nicht vollumfänglich erlebt wird und daher ist auch das Erlernen eines Umgangs nicht möglich. Angst wird zum Signal: Geh in die Außenverbindung! Dadurch sichert sich das empathische Kind Beruhigung. Gleichzeitig lernt es aber auch nicht, diese Gefühle auszuhalten oder zu regulieren. Es entsteht eine Intoleranz – auch gegenüber Angst. Zur Regulation der Gefühle nimmt das empathische Kind (und später der Erwachsene) daher einen Umweg über eine Person im Außen.
Die Überzeugung „ich kann etwas in Bezug auf meine Gefühle tun“ (Selbstwirksamkeit), steht dadurch immer in Verbindung mit der Notwendigkeit, Andere wahrzunehmen, sich einzufühlen, eigene Gefühle zurückzudrängen.
Dadurch kann sich die Grundüberzeugung verfestigen: „ich muss etwas tun, um geliebt/beachtet zu werden“. Diese Annahme zieht eine weitere nach sich: „ich bin nicht vollständig liebenswert“ – denn gewisse Gefühle dürfen nicht sein.
Wenn eine eigenständige Regulation der Gefühle gar nicht gelingt, kann so eine unbewusste Abhängigkeit von außenstehenden Personen entstehen. Sie werden einfach benötigt, gebraucht.

 

5. Überzeugungen und Selbstwert 

Wie beim narzisstisch geprägten Menschen, kommt es auch beim empathischen Kind auf Basis dieser Erfahrungen zu einer (oft unbewussten) Prägung: „Keiner hört/versteht mich“. Kinder ziehen Schlüsse auf Basis ihrer Erlebniswelt im Rahmen ihrer kindlichen Logik. Geäußertes oder auch nur gefühltes Unverständnis des Umfelds bezüglich der Hochsensibilität und Empfindsamkeit kann im weiteren Entwicklungsverlauf zur Erhärtung einer weiteren Überzeugung führen: „ich bin falsch“, „ich bin nicht okay“, „mit mir stimmt etwas nicht“.
Sätze wie „stell dich nicht so an“, „so schlimm ist das doch nicht“ bestätigen die Annahmen des empathischen Menschen, die er aufgrund seiner Erfahrungen bis hierhin entwickelt hat.
Hieraus kann sich eine weitere Gemeinsamkeit zwischen narzisstisch und empathisch geprägten Menschen entwickeln – ein geringer Selbstwert.

Empathische Kinder können so zur Überzeugung gelangen, dass

a.) ihr Selbstwert von ihrem Bemühen (Leistung) abhängt,
b.) sie wertlos oder schlecht sind, wenn sie sich nicht um andere kümmern oder einfühlen,
c.) Angst bedrohlich und nicht alleine zu bewältigen ist (Intoleranz ggü. dem vollumfänglichen Fühlen),
d.) sie andere Menschen brauchen, um sich gut, wertvoll und vollständig zu fühlen,
e.) das eigene Handeln stets auch an Gefühlen, Wünschen und Vorstellungen nahestehender Menschen orientiert sein muss,
f.) bedingungslose Fürsorge und Zurückstellen eigener Bedürfnisse unbedingter Bestandteil von Beziehungen ist (Liebesideal),
g.) Wut und (gesunder!) Egozentrismus dabei keine Rolle spielen dürfen, weil sie das Ideal und die emotionale Symbiose-Strategie bedrohen,
h.) unmittelbar Schuldgefühle empfunden werden, wenn Wut oder egozentrische Impulse gelebt werden

Die erlebte Welt des empathischen Kindes wird zum Bild der Realität – in der Rücknahme eigener Bedürfnisse zugunsten eines Anderen in ein Ideal übergehen. Der empathische Mensch hat – im Gegensatz zum narzisstisch geprägten Menschen – einen besseren Zugang zu seinem Erleben und kann auch eine bestehende Selbstwertproblematik erkennen. Dennoch kann sich die empathische Prägung bei fehlenden korrigierenden Erfahrungen in mehrfacher Hinsicht auf das Leben des erwachsenen Menschen auswirken.


D. Die Auswirkungen der empathischen Wunde/Prägung
1. Verzögerte Entwicklung

Durch die eigenen sehr intensiven Gefühle und die gelernte Außenorientierung kann es beim empathischen Menschen zu Verzögerungen in der Entwicklung kommen. Wenn die Identifikation des empathischen Menschen sehr ausgeprägt ist, fällt die Trennung zwischen eigenen und fremden Gefühlen schwer. Je häufiger im Zuge dessen die empathische Reizüberflutung auftritt, umso mehr Zeit verliert der hoschsensible Mensch hinsichtlich seiner eigenen Entfaltung und Entwicklung.
Zudem fehlt ihm durch die Gefühlsvermengung und seine blockierte Wut oft der Zugriff auf eigene, richtungsweisende Gefühle als Basis für Entscheidungen. Auch das Verfolgen eines gesetzten Ziels kann erschwert sein. Wenn der empathische Mensch nicht gelernt hat, bei sich zu bleiben, kann in der Verbindung mit Mitmenschen Verwirrung entstehen. Eigene Ziele, Werte und Wünsche werden durch Identifikation verzerrt und in Frage gestellt. Der empathische Erwachsene kann sich mitunter orientierungs– und ratlos fühlen, langfristig unzufrieden und wütend (auf sich selbst!) werden.

Viele empathisch geprägte Menschen sind ein Leben lang auf der Suche nach sich selbst. Dabei geschieht es nicht selten, dass sie sich an Menschen, Ideen oder Strömungen orientieren (und sich wiederum – im Außen – damit identifizieren), um irgendwie Halt und Richtung zu finden. Dabei handelt es sich im Grunde um einen Teufelskreis: Um der aus Gefühlsvermengung resultierenden Angst, Unsicherheit und Unzufriedenheit zu begegnen, geht der empathisch geprägte Mensch in Verbindung mit anderen oder einem Ideal. Eben dadurch erlebt er aber eine neuerliche Vermengung von eigenen und fremden Empfindungen. Wiederum ist ihm die reine Basis seines ureigenen und richtungsweisenden Gefühlsspektrums nicht zugänglich. Er sieht nicht klar, wird unsicher, zweifelt, empfindet Ambivalenz bzgl. seiner Entscheidungen usw.

 

2. Das empathische (Liebes)Ideal

Auf Basis der Erfahrungen und funktionierenden Mechanismen kann sich ein (Liebes)Ideal herausbilden (ähnlich wie bei narzisstischer Prägung). Bedingungslose Liebe in der Welt des empathischen Menschen: absolute Hingabe, kompromisslose Einfühlung, Rücknahme eigener Bedürfnisse und Harmonie (keine Wut!). Verstehe mich an dieser Stelle bitte nicht falsch: Bedingungslose Liebe ist ein hohes Gut und durchaus erstrebenswert. Und ich glaube fest daran, dass bedingungslose Liebe jenseits der empathischen Prägung von Natur aus in jedem hochsensiblen Menschen wohnt.
Die empathische Prägung jedoch kontaminiert diese Bedingungslosigkeit. Dem Ideal können unbewusste Motive der Prägungsgeschichte zugrundeliegen.

Abgespeicherte Überzeugungen wie „ich bin falsch“, „so, wie ich bin, werde ich nicht gesehen/angenommen“, „meine Wut darf ich nicht ausdrücken“ oder „der andere ist wichtiger als ich“ haben eine Gemeinsamkeit: Die bedingungslose Liebe, die der empathische Mensch sich von einem anderen wünscht, ist in ihm selbst noch gar nicht vollzogen. Sie schließt ihn nicht vollständig ein.
Der (gesund) selbstbezogene, wütende Anteil ist nicht allumfassend in Selbstliebe integriert. Solange der empathisch geprägte Mensch der (unbewussten) Überzeugung ist, etwas tun, sein oder an sich beschneiden, anpassen zu müssen, um wahrgenommen, geliebt und geschätzt zu werden, ist er gar nicht vollständig und authentisch anwesend. Ein anderer kann ihn nicht umfassend lieben, weil er nicht da ist.
Dann beruht das Ideal auf einem Mangel. Dieses Paradoxon ist dem empathischen Menschen meist nicht im vollen Umfang bewusst: Er liebt sich selbst nicht vollständig, wünscht aber, ein anderer möge dies tun.

Auch der empathisch geprägte Mensch macht seinen Wert innerhalb des Liebesideals von externen Quellen abhängig. Wie im narzisstisch geprägten Menschen brennt auch im Empathen eine anhaltende Sehnsucht, vollständig geliebt zu werden. Weil er dieses Gefühl ebenfalls nie erlebt hat (oder erlebt zu haben glaubt). Dass diese Liebe ihn selbst erst einmal umfassen muss, erschließt sich ihm meist nicht.
Im Gegenteil geht er auf Basis dieses Ideals unterbewusst davon aus, dass andere Menschen – wie er – frei von Wut und (gesunder) Selbstbezogenheit sein sollten. Durch die Brille dieser makellosen Idealvorstellung nimmt er andere Menschen eingangs oft verzerrt (idealisiert) wahr und begegnet diesen auch so.

Der empathisch geprägte Mensch kann mit s/einem Ideal so sehr verbunden sein, dass er bei Abweichungen in Berührung mit seinen Ängsten und verdrängter, angestauter Wut kommt. Dann kann er mit sich und oft auch plötzlich mit anderen (!) hart ins Gericht gehen. Er maßregelt sich selbst (und oft heimlich andere) für Verstöße gegen s/ein Ideal, erlebt gleichzeitig tiefe Verwirrung und emotionales Chaos. Ähnlich den Gefühlen, die er vor Etablierung des schützenden Idealbilds durch Invalidierungen in seiner Kindheit erfahren hat.
Durch harsche Selbstkritik (Wendung gegen das Selbst) reinszeniert er seine Kindheitserlebnisse und triggert alte Gefühle. Nun ist es der empathische Mensch selbst, der sich nicht akzeptiert, seine Regungen und Gefühle und sich selbst verdammt, wenn er gegen sein Ideal verstößt. Er setzt fort, was ihn einst schmerzt. Das alles für ein Ideal eines nicht hinterfragten Modells, dass er auf Basis eben dieser Kindheitserfahrungen verinnerlicht hat.

Innerhalb seines Modells funktioniert der empathische Mensch ausgezeichnet. Tauchen Probleme oder Abweichungen von dieser, seiner Vorstellungswelt auf, reagiert er mit Angst und Unsicherheit. Vielleicht auch mit Wut und Verzweiflung. Es kann sich für ihn dann anfühlen, als würde ihm der Boden unter den Füßen weggerissen werden – und im Grunde geschieht genau das. Nicht selten sucht der empathische Mensch die Ursache für seine Gefühle hier im Außen – im Verhalten des anderen (Externalisierung!). Aufrichtigerweise ist es jedoch sein Chaos, das er spürt, weil sein vertrauter, illusorischer Rahmen bricht, den er für die Realität gehalten hat.

 

3. Die wütende Paralyse – Handlungsunfähigkeit bei Konflikten

Der empathische Mensch vermeidet oft Konkurrenz und Wettbewerb, lässt Selbstdurchsetzung vermissen, steckt und schreckt zurück, gibt sich bescheiden. Vor sich selbst rechtfertigt er dieses Verhalten mit seinem Ideal. So soll die Welt sein – er wünscht sich Frieden, Harmonie, Eintracht und Versöhnlichkeit. Und im Grunde trägt er dadurch dringend benötigte Werte in die Welt!
Wiederum aufrichtigerweise ist er selbst in diesem Ideal nicht authentisch, echt, ganz. Und es hilft dem empathischen Menschen, nicht integrierte Gefühle von Angst, Wut und Unsicherheit nicht zu spüren. Jenseits seines vertrauten Ideals hat der empathische Mensch große Sorge, nicht zurechtzukommen. Er scheut eine (auch gesunde) Auseinandersetzung mit der Realität, die Menschen mit Wut und egozentrischen Impulsen einschließt.

Kommt der empathische Mensch bei Konflikten mit seiner Wut in Kontakt, gerät er in Ermangelung einer konstruktiven Strategie in eine wütende Paralyse. Manchmal kann die Aggressionshemmung des empathisch geprägten Menschen so stark ausgeprägt sein, dass er das Gefühl hat, weggebeamt und handlungsunfähig zu sein. In Fachkreisen wird dieser Zustand als Dissoziation bezeichnet.

Vielleicht gelingt es dem Empathen sogar, seine Wut zu äußern. Die Paralyse kann ihn dann verzögert erreichen, wenn er die direkt anschließenden Schuldgefühle spürt. Dann wird er seine Äußerungen vielleicht zurücknehmen oder abschwächen. Wir erinnern uns: Der empathische Mensch hat gegen sein (Liebes)Ideal verstoßen und er verurteilt sich dafür. Außerdem bedeutet das Abwenden eines anderen eine kleine Vernichtung.

Dieser Mix kann den empathischen Menschen insgesamt vor Konflikten zurückweichen lassen. Durch sein Feingefühl spürt er genau, was zu tun ist, um Eskalationen zu verhindern und Wogen zu glätten. Er fährt wiederum die Strategie der Außenorientierung und wird damit nicht selten Erfolg haben – auf Kosten seiner Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle.
Eine weitere Folge kann sein, dass der empathisch geprägte Mensch durch Vermeidung von Konflikten auch nicht lernt, sich in diesen zu behaupten. Gefühle von Ausgeliefertsein und fehlender Konfliktfähigkeit können sich auf den Selbstwert niederschlagen und innerlich wiederum Wut oder Angst auslösen.

 

4. Selbstsabotage, Verdrängung und Rückzug  – bis zur Depression

Partielle Selbstverleugnung und -sabotage kann zu immer mehr Wut und Frustration führen – die in der inneren, verschlossenen Kiste anstauen. Es kann Momente geben, in denen die Wut ausbricht. Würden die Gefühle vom empathisch geprägten Menschen angenommen, verstanden und durchgefühlt werden, könnte dies dienlich für ihn sein. Wut kann uns Anhaltspunkte liefern, wenn ein Bedürfnis, Ziel oder Wunsch durch Umstände bedroht ist. Sie enthält Informationen darüber, wer wir (nicht) sind und was wir (nicht) wollen. Im Rahmen einer evtl. verzögerten Entwicklung bestünde dadurch die Chance, sich besser kennenzulernen. Mehr Klarheit zu gewinnen. Bei sich anzukommen.

Durch eine Integration und Annahme könnte der empathische Menschen innerliche Voraussetzungen dafür schaffen, was er meist im Außen sucht: Intuitiven Schutz vor Situationen, die ihm nicht dienlich sind. Vor Menschen, die ihn nicht würdigen und schätzen (können), seine Grenzen missachten. Weil sein Ideal ihm nicht die gesamte Bandbreite von Gefühlen gestattet, wird er eher sich selbst als andere in Frage stellen. In der sich daraus ergebenden Rücknahme eigener Bedürfnisse, setzt sich der empathisch geprägte Mensch häufig Situationen/Menschen aus, obwohl sie ihm nicht (weiter) dienlich sind.

Wenn es dadurch wiederholt zu Frustration, Trauer und Wut kommt, kann die empathische Reizüberflutung einsetzen. In meinen Augen eine Gefühlsüberschwemmung, die sich auch daraus ergibt, dass der empathische Mensch gegen sich selbst handelt, sich gegen Gefühle wehrt, die er erlebt. Überzeugt davon, dass sein Zustand durch äußere Umstände bedingt ist (und nicht durch seine Selbstsabotage), kann er auf Kontakte und Situationen mit Rückzug reagieren.

Manches Mal mag es ihm das als einzig mögliche Lösung erscheinen. Sich mit seinen eigenen (unerlaubten) Gefühle von der reizüberflutenden Außenwelt abzuschotten. Im Grunde sehnt er sich jedoch nach Verbundenheit. In seinem Rückzug erlebt er einen Verlust.
Wenn er in der Selbstsabotage (bei fehlenden Grenzen) von Reizen überflutet wird, erreicht er die Grenze seiner emotionalen Belastbarkeit. Das Schloss an der Kiste wird weggesprengt. Der empathische Mensch versteht sich an dieser Stelle selbst nicht mehr: er wird wütend, gereizt und genervt. Weil diese Gefühle mit Schuld assoziiert sind, wird er sich beschämt und überfordert zurückziehen. Der innere Druck und damit das Bedürfnis nach Außenorientierung steigen. Wohin soll er nur mit seinen Gefühlen? Der empathische Mensch, der andere Menschen so gut verstehen kann, scheitert nicht selten bei sich selbst.

Ein wiederkehrendes Gefühl empathisch geprägter Menschen: Im Wunsch nach Verbindung festzustellen, dass er sich einem authentischen Kontakt nicht gewachsen fühlt. Eine aussichtslos erscheinende Sackgasse. In der Folge können Verzweiflung, Depression und Hoffnungslosigkeit entstehen.

Ein weiteres Beispiel: Viktor und Stefanie wollen am Sonntag Abend gemeinsam ins Kino. Stefanie freut sich schon darauf, weil ein neuer Film Thich Nhat Hanh im Kino läuft. Viktor hat an diesem Guru aber kein Interesse. Vor dem Kino entscheidet Viktor, ohne Stefanie zu fragen. Er möchte unbedingt Stirb langsam, Teil 23 sehen. Stefanie mag keine Actionfilme, aber es ist ihr sehr wichtig, dass ihr Freund vor seiner neuen Arbeitswoche einen schönen Sonntag erlebt. Sie hat bemerkt, dass er unruhig und etwas gereizt ist (Außenorientierung). Und schließlich geht es in einer Beziehung ja um gegenseitige (!) Rücksichtnahme (Liebesideal).
Sie sitzt geknickt und unzufrieden neben ihrem Freund im Kino. Die Gewalt setzt ihr und ihren feinen Antennen ziemlich zu. Gleichzeitig verspürt sie eine massive innere Unruhe aufsteigen (verdrängte Wut). Aber immerhin hält Viktor ihre Hand. Sie lächelt ihm zu (Reaktionsbildung) und fühlt sich für ihre wütenden Impulse schuldig (Wendung gegen das Selbst). Als Viktor sie zuhause absetzt, fühlt sie sich völlig ausgelaugt. Sie wird von alten Gedanken heimgesucht (“ich bin wertlos”, “ich bin schuld”) und schläft kaum in dieser Nacht.
Am kommenden Morgen geht es ihr schlecht. Als ihre Freundin Sabine sich bei ihr meldet und wissen möchte, wie es ihr geht, reagiert sie genervt und gereizt. Sabine äußert verständnisvoll, dass sie abends vorbeischauen könnte. Im Verlauf des Tages entwickelt Stefanie Schuldgefühle. Sie schämt sich für ihre Reaktion und sagt das Treffen mit Sabine ab. Stefanie steht nicht zu sich und seziert ihr Innenleben nach Gründen, weshalb es ihr so schlecht geht, weshalb sie nicht einfach zufrieden und glücklich sein kann. Abends weint sie sich einsam in den Schlaf. In ihrem inneren Chaos sehnt sie sich nach Viktor. 

Dieser Artikel liegt mir sehr am Herzen. Denn all das kann unterbrochen und entlernt werden. Der empathische Mensch kann die Quelle seines Leids und seiner Liebe in sich selbst entdecken. Er kann lernen, umfassend zu sich zu stehen – inkl. seiner Wut und Selbstbezogenheit. Diese Gefühle sind nicht falsch, sondern richtungsweisender Teil unserer menschlichen Erfahrung. Der empathische Mensch kann seine Wahrheit sprechen, ohne angreifend oder ablehnend werden zu müssen.

Wenn er sich selbst aufrichtig anzuschauen bereit ist, kann durch Akzeptanz, Integration und Verständnis die Lüge des Gefühlsverbots im Rahmen seines Ideals durchbrochen werden. Der empathische Mensch kann lernen, für sich zu sorgen und den Mechanismus der Außenorientierung überwinden. Die Übernahme von bedingungsloser Selbstverantwortung, ein Halten der Gefühle ist möglich. Mit Bedrohung und Schuld assoziierte Gefühle können jenseits des Ideals in neuem Licht gesehen, verstanden und integriert werden. Der empathisch geprägte Mensch kann wahre Befreiung erleben. Er kann zwischenmenschliche Beziehungen authentisch leben, gestalten, sich selbstbewusster und -bestimmter erleben.

 

5. Die gefesselte Wut – Wendung gegen das Selbst

Unbewusst reinszeniert der empathisch verwundete Mensch seine primäre Kindheitserfahrung immer wieder. Durch die Orientierung an seinem Ideal erlebt er vermeintliche Sicherheit und das Gefühl von Kontrolle. Er weiß, was er im Rahmen dieses Modells zu tun hat. Aufgrund seiner naturgegebenen Rezeptivität und Empfänglichkeit sieht er, wo er gebraucht wird. In diesem Tun kanzelt er aber immer wieder genau den Teil seines Wesens ab, der immer noch so sehr danach schreit, endlich gesehen und wahrgenommen zu werden.

Der empathische Mensch ist – wie der narzisstisch geprägte – nicht vollständig anwesend. Er bezieht sein eigenes Wesen in das Geschenk seiner Sensitivität und Feinfühligkeit nicht ganzheitlich mit ein: seine Wut. Von der eigentlichen Kernbotschaft dieses Gefühls – dass eigene Ziele, Werte und Bedürfnisse gefährdet sind – bleibt er durch sein inneres Verbot abgeschnitten. Ihm entgeht eine wichtige Informationsquelle zur Justierung eigener Lebensentscheidungen.

Er erlebt Schuldgefühle und richtet seine Wut gegen sich selbst. Hier wirkt wiederum ein Abwehrmechanismus, den man als Wendung gegen das Selbst bezeichnet. Interessanterweise ist dieser Abwehrmechanismus das Gegenstück zur Projektion (in der eigene Empfindungen auf einen anderen ausgelagert werden). Projektion ist der bevorzugte Abwehrmechanismus bei narzisstischer Prägung! Vereinfacht: Der empathisch geprägte Mensch schluckt automatisch, was der narzisstisch geprägte nicht bei sich haben möchte.

Der empathisch geprägte Mensch nutzt seine Wut nicht. Er hat eher Sorge, dass seine niederen Empfindungen entdeckt werden könnten. Aus zahlreichen Gesprächen und eigener Erfahrung weiß ich, dass empathische Menschen in diesem Fall oft ein Verhalten zeigen, dass seinen eigentlichen Gefühlen vollkommen widerspricht. Er gibt sich aufgrund seiner Schuldgefühle besonders zuvorkommend und verständnisvoll.
In der Psychoanalyse wird dieser Mechanismus als Reaktionsbildung bezeichnet. Um die Illusion seines sicherheitsstiftenden Selbst- und Weltbilds zu erhalten, beginnt der empathisch geprägte Mensch (unbewusst) unauthentisch zu werden. Er möchte Wahrhaftigkeit und Bedingungslosigkeit leben, verhält sich aber genau entgegengesetzt.

Der empathisch geprägte Mensch packt immer wieder einen Teil seiner Selbst in diese innere Kiste. Vielleicht spürt auch er gelegentlich ein leises Rumpeln, wenn er nach anhaltender Rücksichtnahme, Selbstaufopferung und Für-Andere-Da-sein zu viel Wut und Frustration erlebt. Dieses wird aber rasch von Angst abgelöst.

Ein weiteres Beispiel: Stefanie und Viktor sind gemeinsam im Schwimmbad. Viktor findet Vergnügen daran, andere Frauen in ihren Bikinis zu begutachten und zeigt auch keine Neigung, sein Interesse zu verbergen. Stefanie spricht ihn darauf an. Viktor reagiert wütend: „Ich bin eben ein Mann, ich kann nicht anders. Du stellst dich immer an! Wenn du mir den Tag vermiesen willst, dann bist du auf dem richtigen Weg“. Er wendet sich ab und schweigt, schließt die Augen und klinkt sich aus. Stefanie ist verletzt – aber auch sehr wütend. In ihrer Wut verlässt sie den gemeinsamen Liegeplatz und geht zum Kiosk. Dann steigt Panik und Verwirrung in ihr auf. Hat Viktor vielleicht recht? Denkt er nun darüber nach, sich zu trennen? Der Gedanke, ihn entbehren zu müssen macht ihr Angst. Sie kommt zu dem Schluss, dass sie ja eigentlich froh ist, Viktor als Freund zu haben. Am Kiosk kauft sie ihm eine Portion Pommes und geht zurück zum Platz. Sie ist verunsichert, als sie Viktor die Pommes überreicht. Als er sie anlächelt und sich bedankt, ist Stefanies Welt wieder in Ordnung. Dass Viktor weiter nach anderen Frauen Ausschau hält, spricht sie nicht mehr an. Ihre Wut landet in der Kiste.
Tags darauf berichtet Stefanie ihrer Freundin Sabine von dem Vorfall. Sabine berichtet, dass ihr Freund Ralf sich vorgestern am See ähnlich verhalten habe. Sie habe daraufhin wütend ihre Sachen gepackt und sei zu einer Freundin gefahren, mit der sie den Rest des Tages verbracht habe. Bei Ralf habe sie sich nicht mehr gemeldet. Es sei an ihm, sich zu überlegen, was er eigentlich wolle. Sie sei sich dafür zu schade. Wenn er sich klar zu ihr bekenne, könne man weitersehen. Aber vielleicht sei er einfach noch nicht bereit für eine feste Beziehung und dann sei es eben so.  

Stefanie und Sabine haben ähnliche Situationen erlebt. Stefanie hat aufgrund ihrer empathischen Prägung ihre Wut automatisch verdrängt, weil ihr der Gedanke, Viktor zu verlieren, Angst gemacht hat (= Konflikt). Sabine hingegen pfeift auf Ralf, weil sie ihrer Wut Raum gelassen und deren Botschaft verstanden hat.


E. Fazit – Wie der empathisch geprägte Mensch eine Beziehung betritt

Der empathische Mensch fühlt sich nicht selten in seinem So-Sein in der Welt unverstanden und fehlplaziert. Sein (Liebes)Ideal beinhaltet bedingungsloses Einfühlen, Verständnis, Rücksicht für seinen Beziehungspartner. Seine eigene bedingungslose Liebe schließt ihn jedoch nicht gänzlich mit ein. Er ist nicht vollständig anwesend. Auf Grundlage seiner Erfahrungen und Überzeugungen wohnt in ihm ein (unbewusster) Mangel. Er glaubt, Liebe um seiner Selbst willen gar nicht verdient zu haben („ich muss etwas tun…“).

Der empathisch geprägte Mensch ist bereit, vorbehaltlos zu geben und den geliebten Menschen im Licht seiner Idealvorstellungen wahrzunehmen, dessen Schwächen auszublenden bei gleichzeitiger Bereitschaft, hart mit sich selbst ins Gericht zu gehen.
Unbewusst kann er sich von einem Partner angezogen fühlen, an dessen Seite er eben diese von Kindheit an vertraute Rolle einnehmen kann. Einem Partner, der den empathischen Menschen aufgrund seiner emotionalen Außenorientierung, Selbstaufopferung und Rücknahme von Bedürfnissen liebt. Ein Partner, der die sicherheitsvermittelnden Abwehrmechanismen des empathischen Menschen begrüßt: Freundlichkeit statt wütender Reaktion (Reaktionsbildung), Selbstvorwürfe statt Kritik (Wendung gegen das Selbst, Aggressionsumkehr).

Unbewusst kann der empathisch geprägte Mensch so jemanden anziehen, der ihn in seiner inneren Selbstablehnung bestätigt. Der die Teile an ihm ablehnen wird, die er selbst ablehnt: Wut, (gesunde) Selbstbezogenheit, Ärger. Durch die Selbstablehnung und -aufopferung des empathischen Menschen innerhalb seines Ideals kann er einen Menschen anziehen, der genau dies innerhalb seines Ideals von seinem Partner wünscht. Der Empath erlebt Sicherheit, wenn sein Partner eine Idealvorstellung von einer Beziehung. Die Basis einer solchen Beziehung fußt aber nicht auf Echtheit und real erlebten Empfindungen, sondern eben auf einem konstruierten Ideal.

Der empathisch geprägte Mensch trägt eine tiefe Sehnsucht nach allumfassender Liebe, Bestätigung und Akzeptanz in sich – auch seine eigene Person betreffend. Oft ist er ein Leben lang auf der Suche nach sich selbst, nach Orientierung und Halt.
Dominanz und vermeintliche Selbstsicherheit eines Menschen, sowie die Aussicht auf eine gemeinsame, richtungsweisende Orientierung durch ein gemeinsames Ideal können ihn magnetisch anziehen. Weil seine eigenen Unsicherheiten (siehe Entwicklungsverzögerung) gar nicht mehr vorhanden zu sein scheinen. Sie werden angenehm kaschiert. Er kann die Neigung zeigen, sich in einem gemeinsamen Ideal zu verlieren – um seine nicht integrierten Anteile und offene Entwicklungsaufgaben auszublenden.

Ich wage mich noch einen Schritt weiter: Ich glaube, dass der empathische Mensch einen kleinen, wütenden Narzissten in sich trägt, dessen Wut sich aufgrund des bestehenden Ideals nicht nach außen, sondern nach innen richtet. Weil der empathische Mensch diesen nicht integriert hat, fühlt er sich unvollständig. Erkennt er seine abgelehnten Anteile im Außen (z.B. im narzisstisch geprägten Menschen), kann er magnetische Anziehung, eine unglaubliche Sehnsucht verspüren. Verbunden mit der Hoffnung, dass dieser selbstsichere Mensch etwas für ihn tun könnte, was er sich selbst nicht zugesteht. Ihn wahrnehmen, akzeptieren und sich für ihn einsetzen. Wieder einmal: ein Umweg.

Denn im Grunde sehnt sich der empathische Mensch nach sich selbst. Nach seinem verlorenen, abgespaltenen Anteil. Er bewundert einen Menschen, der ausdrückt, was er selbst sich nicht zu leben wagt. Durch Identifikation versucht er sich die fehlenden Anteile durch Außenorientierung einzuverleiben, anstatt sie in sich zu integrieren.
Bildhaft gesprochen könnte man sagen, dass der empathische Mensch einen kleinen, abgekapselten (gesunden) Narzissten in sich trägt, den er innerhalb seines Systems ablehnt. Er sucht das Gefühl und die Sicherheit, die dieser Teil ihm geben könnte oft sein ganzes Leben lang – im Außen.

Der empathisch geprägte Mensch verspürt Vertrautheit, wenn jemand dieselbe Wunde mit ihm teilt (Selbstwert). Oft hat er für sein Gegenüber ausgeprägtes Mitgefühl und Verständnis – für sich selbst oft weniger (Außenorientierung).
Der narzisstisch geprägte Mensch ist absolut empfänglich für das idealisierende Licht, das der Empath durch sein Liebesideal auf ihn wirft. Durch emotional-energetische Symbiose kann der Empath durch sein Verhalten (Bedürfnisverzicht, Unterdrückung von Wut und Kritik) das überschäumend positive Gefühl seines Partners erleben, als sei es sein eigenes. Dadurch fühlt er sich in seinem (nach wie vor gespaltenen) So-Sein bestätigt und sicher: So, wie es sein sollte!

Der empathisch geprägte Mensch weiß, dass in ihm fortwährend ein innerer Schrei nach Liebe brennt. Auch er hat sich nie wirklich in seiner Ganzheit angenommen, geliebt und akzeptiert gefühlt. Diese innere Wunde trägt er immer in sich.
Das empathische Paradox besteht darin, dass er sich etwas wünscht, das er durch sein Ideal und seine Mechanismen verhindert.
Er möchte bedingungslos geliebt werden, hält aber seine verdrängte, richtungsweisende Wut und (notwendige!) selbstbezogene Impulse in seiner Kiste fest verschlossen. Er ist nicht wirklich da. Wie könnte er umfassend geliebt werden?

Er vermisst es, sich ganz einzubringen, gesunde Grenzen zu ziehen und loszulassen, was ihm nicht mehr dient.
Er lebt in einer idealisierten Welt, in der kindliche Mechanismen und Überzeugungen weiter wirken. In seiner Kiste tobt und weint dieses Kind, das er so hart abstraft und ablehnt – anstatt es zu integrieren. Dieses in seiner Wut und seinem Egozentrismus ungeliebte und alleingelassene Kind.
Aus seiner Kiste mit all der geschluckten Wut, all den Frustrationen, Enttäuschungen und Anklagen hallt ihm auch die wütende Stimme entgegen, die er sein Leben lang ignorieren gelernt hat. Dort wohnt sein eigener kleiner, wütender, sehr verletzter Narzisst, der im Grunde anhaltend danach schreit, endlich geliebt, verstanden und integriert zu werden. Um dem empathischen Menschen mit richtungsweisenden und heilsamen Impulsen zur Seite zu stehen.

Der empathisch geprägte Mensch hat einen Zugang zu seiner Kiste. Er kann den Weg finden. Wenn er beginnt, diese Stimme und seine Gefühle nicht mehr abzulehnen. Wenn er beginnt, den in ihm abgekapselten Teil zu integrieren, kann er dadurch auch seine äußere Realität verändern.
Wenn der kleine, innere, gesunde Narzisst integriert ist, benötigt er diesen Teil nicht mehr im Außen. Er würde sich nicht mehr angezogen fühlen oder einlassen, weil er gesunde Grenzen setzen und loslassen könnte. Mit der um Wut ergänzten Intuition könnte er in seinem Interesse prüfen, was ihn am anderen wirklich anzieht, ob dieser Mensch ihn wahrlich zu lieben in der Lage ist.

Der erste Schritt auf dem Weg zur Liebe darf zuerst im empathisch geprägten Menschen innerlich vollzogen werden.

 

Wenn Du Dich auf Deinem Weg in die Selbstermächtigung von mir begleiten lassen möchtest, darfst Du Dich auch gerne über mein Empath Empowerment Coaching informieren.
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10 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Mit meinen „empathischeb Wunden“ beschäftige ich mich schon länger. Vieles war mir dennoch nicht bewusst – bis ich diesen Beitrag von Dir gelesen habe. Danke dass Du auch Deine eigenen Erfahrungen einfließen lässt. Nur so hilfst Du uns anderen auf unserem Weg wirklich. Danke von Herzen!

Antworten
    Kristina Peters
    8. Juli 2018 7:54

    Liebe Sonja, herzlichen Dank für Deine wertvolle und schöne Rückmeldung. In dieser Zeit sind wir alle eingeladen, immer authentischer und freier zu werden, offener und weiter – und noch viel mehr. Und ich freue mich, wenn ich durch meine Artikel ein bisschen dazu beitragen darf…<3...
    Alles Liebe zu Dir - für Dich und die Bedingungslosigkeit Dir selbst gegenüber ! Von Herzen - Kristina <3

    Antworten

Liebe Frau Peters, vielen Dank für diesen so nirgendwo zu findenden, grandiosen Beitrag über die “empathische Wunde”. Ich werde ihn sicher noch hundertmal lesen. Vielleicht werde ich noch einige Anmerkungen und Fragen an sie richten. Manches ist aber vielleicht noch komplizierter. Sie schreiben: “Die Entwicklung kann gut gelingen, wenn ein Elternteil selbst bewusst hochsensibel ist…..”. Für mich macht das keinen Unterschied. Im Gegenteil, es macht es für das Kind noch schwieriger, das kranke System zu erkennen und zu durchschauen. Im Film redet man von “Guter Bulle, böser Bulle.” Ein empathisches Elternteil, das auf Grund seiner eigenen Wunde, zwar die Signale des Kindes erkennt, es aber trotzdem ausdrücklich auf die Bedürfnisbefriedigung anderer abrichtet, ist extrem gefährlich für das Kind. Das Elternteil ist selbst auf die Bedürfnisbefriedigung anderer ausgerichtet, es kann eine Symbiose- Identifikation von Elternteil zum Kind hin stattfinden. Das Kind darf auf keinen Fall gegen das Ideal verstoßen, das Elternteil würde sofort die innere Wunde spüren. Das Kind erhält zwar von diesem Elternteil “Liebe und Verständnis”, gleichzeitig wird es aber auch von diesem Elternteil zerstört und innerlich gespalten. Und das andere Elternteil, das vermutlich und meist den Part des “bösen Bullen” innehat, zerstört und spaltet das Kind auf aggressive Weise, während die Zerstörung und Spaltung des Kindes vom empathischen Elternteil, mit “Liebe” geschieht.

Antworten
    Kristina Peters
    18. September 2018 8:43

    Hallo lieber Herr Munk, Dankeschön für diesen wertvollen Hinweis und die tolle Rückmeldung! Sie haben diesbezüglich natürlich Recht. Wenn ein Elternteil empathisch UND verwundet ist, ist eine gelungene Entwicklung erschwert. In meinen Ausführungen bezog ich mich auf die Annahme eines hochsensiblen/empathischen Menschen OHNE die von mir vermutete “Verwundung”. Also wenn ein Elternteil sozusagen über dieselbe Sensibilität und Bandbreite an Empfindungen verfügt, zu diesen steht, diese integriert hat und so auch Empfindungen des Kindes validieren und ihm zu helfen kann, gesunde Grenzen zu setzen, einen gesunden Selbstwert zu entwickeln.
    Das von Ihnen beschriebene Beispiel ist mir aus der Arbeit bekannt und ja – es kann eine Bedürfnisverlagerung stattfinden, da wären wir beim Thema Parentifizierung und emotionalem Missbrauch.
    Dankeschön, dass Sie mich darauf aufmerksam machen und mir die Möglichkeit geben, das zu konkretisieren…Ich hoffe, dass ich damit etwas Klarheit schaffen konnte…Herzliche Grüße, Kristina

    Antworten

Hallo Frau Peters, ich beschäftige mich mit diesem ganzen Thema, um mich und mein Leben zu verstehen. Ob und in welchem Umfang dadurch jemals eine Heilung stattfinden kann, steht in den Sternen . Eher wohl nicht. Aber alles zu verstehen, führt vielleicht zu einer Art gesunder Dissoziation. Wobei das abzuspaltende eben nicht in den endlosen Weiten des Unbewussten vergraben wird, sondern hell und offen vor einem liegt, so dass man selbst nur noch Beobachter, nicht aber mehr Betroffener ist.
Aber nun zu meiner Frage. Es liegt doch im Grunde völlig auf der Hand, dass Empathentum und Hochsensibilität eine psychische Störung, eine Erkrankung, eine Dissoziation, ein Trauma darstellt. Ich würde von der “Empathischen Persönlichkeitsstörung” sprechen. Die Symptome der psychischen Störung, entsprechen jedoch dem Bild vieler vom erstrebenswerten Neuen humanistischen Menschen, der christliche Werte lebt, friedvoll ist und in Mitgefühl und Achtung mit seiner Umwelt agiert. Eine Erkrankung wird negiert. Der Empath ist nicht falsch. Falsch und Böse ist nur der Narzisst. Der hat sich zu erkennen, zu bereuen und an sich zu arbeiten. Und er muss durch Aufklärung von seiner Beute getrennt, ausgehungert und ausgerottet werden. Dann steht dem Empathen nichts mehr im Wege, die Welt zu einer Besseren zu machen. Was natürlich alles völliger Quatsch ist. Aber das ist z. B. auf YouTube gängige Richtlinie der “Narzissmus- Experten”, der Kreuzzügler. Der Empath bedient auch die politcall correctness, die Kirche…..im Grunde alle. Nur nicht sich selbst. Denn er ist von seiner gesunden konstruktiven Aggressivität abgeschnitten. Und wie der Narzisst sein Mitgefühl nicht zurückhaben will, denn dann ist er ja wieder schwach und verletzbar, will der Empath seine Wut nicht zurück, denn dann ist er ja “böse” und nichts Besseres mehr auf dieser Welt, gottgleich mit Sendungsbewusstsein und der, der mit den Tieren und Pflanzen spricht. Die Gesellschaft will den Empathen nicht zur gestörten Person definieren und er selbst will es auch nicht. Das Problem sind nur die “Fressfeinde”, die Narzissten, sonst wäre alles gut. Aber der Empath ist ein kranker dissoziierter Mensch. Er ist eben nicht die neue Stufe des Homo Sapiens auf der Evolutionsleiter zu mehr Menschlichkeit auf diesem Planeten. Wann wird das endlich klar öffentlich benannt? Wann wird endlich der Begriff: “Empathische Persönlichkeitsstörung” öffentlich dargelegt? Gegen alle, aber auch alle Widerstände.

Antworten
    Kristina Peters
    7. Februar 2019 12:58

    Hallo Herr Munk, ich empfinde den Störungsbegriff weder auf der einen, noch auf der anderen Seite hilfreich. Vielleicht dient er an der ein oder anderen Stelle dem persönlichen Wachstum – das ist für jeden Menschen individuell. Und jede/r mag da gerne so damit umgehen, wie er/sie es für richtig und für sich als hilfreich erachtet.
    “Dissoziation” kann das Verstehen erleichtern (als “Draufsicht” verstanden), wenn dem im Nachgang eine gesunde Integration folgt, kann das Wachstum bedeuten. Wobei auch das im Grunde den Kern nicht wirklich trifft: Denn wir sind schon 100% optimal. Wir sehen es nur nicht – aufgrund der Erfahrungen, Prägungen – in diesem (oder wenn man daran glaubt auch in früheren) Leben. Es ist ein lebenslanger Prozess des Kennenlernens.
    Ich empfinde es so, dass wir ALLE Schattenanteile haben – Teile und Gefühle, die uns Angst machen und uns veranlassen, wegzuschauen. Das hat auch damit zu tun, was wir über diese Gefühle gelernt haben (Bedeutungen wie “schlecht, gefährlich” usw.). Niemand ist falsch. Wir ALLE haben unsere Art und Weise mit gewissen Dingen umzugehen, die uns Angst machen. Auf der einen Seite sehe ich einen hypersensiblen Menschen, der aus Angst vor seinen eigenen Gefühlen (z.B. Aggression, Trauer, Angst) den Fokus im Außen hat und durch die dann von außen ausgelösten Empfindungen “getriggert” wird – und dafür immer sensibler wird. Integration: Bei sich bleiben zu lernen, sich kennenlernen, integrieren – auch die Angst, Wut usw. Ich glaube, dass es am heilsamsten und ehrlichsten ist, den Fokus auf das zu richten, was noch integriert werden kann und was einen triggert. Das anzunehmen und den Kampf dagegen aufzugeben, ins Fühlen zu kommen. Und da ist jede/r in der Lage, Verantwortung für sich zu übernehmen. Ob wir jetzt den Begriff Narzissmus oder Empathie wählen. Abwesenheit von Liebe als Ursache – so kitschig das klingen mag. Und damit meine ich eben nicht nur “Licht und Liebe”, sondern eben auch die “Schattenseiten”.
    Das kann kein anderer tun, außer jeder Mensch für sich. Insofern empfinde ich auch die Stigmatisierung und Polarisierung in gut/böse und das Täter-/Opferdenken als wenig hilfreich. Denn – wieder ist der Fokus im Außen – was der andere tut. Es ist sicher hilfreich zu verstehen, deswegen auch diese Artikel und Beiträge, die aber auch nur meine Wahrnehmung wiedergeben. Wie das jede/r für sich nutzen kann und möchte ist immer eine individuelle Entscheidung. Wir sind alle einzigartig und besonders. Das worüber wir hier reden ist die Showbühne, auf der all das abläuft, was im Innen noch nicht geklärt ist. Da kann die Kraft der Neutralität helfen. Herzliche Grüße, Kristina Peters

    Antworten

Liebe Frau Peters, ich habe gerade noch mal diesen Beitrag überflogen, da ich ihn weiterempfohlen habe. Sie gehen davon aus, dass Hochsensibilität/ Empathie auch angeboren sein kann. Ich bin völliger Laie auf dem Gebiet. Aber es widerspricht meinem allgemeinen Verständnis. Warum sollte die Natur so etwas kreieren, es liegt sicher nicht im Bereich der Lehre Darwins. Es wäre ein Rückschritt innerhalb der Evolution, da ja der aggressive Wille zum leben und überleben beim Empathen kaum ausgebildet ist. Ich weiß, dass Franz Ruppert davon ausgeht, dass eine pränatale Traumatisierung stattfinden kann. Könnte es sein, dass sich bereits der Embryo darauf einstellt, in Abhängigkeit von traumatisierten Eltern hineingeboren zu werden und da schon empathisch/ narzisstische Züge entwickelt? Sind ihnen denn überhaupt Empathen/ Narzissten bekannt, die von “gesunden” Eltern abstammen. (Und wer will wissen, was hinter der Fassade wirklich ist.) Ich war zum Beispiel mit einer Vollblut- Narzisstin zusammen, deren Tochter ist hochsensibel/ empathisch. Zweite Frage: Die Natur sorgt dafür, dass der Anteil von geborenen Jungen und Mädchen sich so in etwa immer die Waage hält. Woher sie das auch immer weiß. Haben sie Erkenntnisse, ob der Anteil von Empathen und Narzissten im jeweiligen Verhältnis von männlich und weiblich sich auch die Waage hält? Das würde ja bedeuten, dass hier eine Traumatisierung generationsübergreifend seit Jahrtausenden stattfindet, so dass die Natur hier selbst schon die Anteile männlich/ weiblich passig reguliert? Vielen Dank und viele Grüße.

Antworten
    Kristina Peters
    17. Februar 2019 7:38

    Lieber Herr Munk, puuuh…ich kann diese Fragen nicht von einem wissenschaftlichen Standpunkt beantworten, weil ich selbst einen ganzheitlichere habe. Grundsätzlich glaube ich, dass wir alle voneinander “abhängen”. Wir sind miteinander verbunden und leben in einer Koexistenz – faktisch wie energetisch. Das macht evolutionär Sinn, da wir im Grunde nur dann überleben können, wenn wir zusammenhalten und uns dieses Faktums der Interdependenz bewusst werden. Man schaue sich nur mal in anderen (nicht westlichen) um – da ist dieses Bewusstsein noch deutlich ausgeprägter. Wie können Kriege im Außen beendet werden? Aus meiner Sicht nur, wenn wir Menschen verstehen lernen, dass diese Kriege im Außen nicht bestehen würden, wenn wir sie nicht in uns hätten – die Kriege gegen uns selbst, Teile, die wir nicht sehen/haben wollen oder für verurteilenswert halten. Also ich glaube – JA – wir sind im Kern alle sehr sensibel und feinfühlig. Ich glaube nur, dass uns im Laufe der Zeit Dinge passieren können, die uns zu einem veränderten Umgang mit dieser Sensibilität führen. Wut und Aggression stellen aus meiner Sicht natürliche Reaktionen darauf dar, wenn wir in unserer Existenz, aber auch in unserem Selbstausdruck behindert werden oder uns gar selbst behindern.
    Und es geht aus meiner Sicht um eine gesunde Integration dieser Gefühle, auf allen Seiten. Ellbogenmentalität – ich glaube, dass es so nicht gedacht war. Eher dazu, auch mal ein gesundes “nein” aus Selbstliebe heraus zu sprechen (oder aus Liebe zu einem anderen Menschen). Wie bereits im Artikel aufgeführt – Elaine N. Aron nimmt diese Sicht der Dinge an. Eine genetische Beteiligung. Wissen Sie – früher sagte man “genetische Baupläne sind unveränderbar!”. Heute weiß man, dass die Epigenetik das Gegenteil beweist. Wir haben einen Einfluss auf unsere Gene. Vielleicht gibt es hierauf keine endgültige Antwort.
    Mir stellt sich auch die Frage, ob die Frage nach den Ursachen eine gewinnbringende ist.
    Und zum Thema “gesund”/”krank” – wir alle kommen nicht “nackt und unbeschrieben” auf die Welt. Meine Sicht der Dinge. Wir können jetzt unseren Vorfahren oder auch früheren Leben die Verantwortung dafür geben oder wir können es als Teil unserer individuellen Lebensgeschichte annehmen und betrachten, was es für uns in diesem Leben zu erlösen und zu entdecken gibt. Jede/r für sich. Und auf diesem Weg wird man früher oder später vielleicht auch verstehen, dass wir alle sensibel sind. Dass das “Kranke” vielleicht Ausdruck eines Weglaufens ist – vor eigenen Gefühlen oder ungeliebten, früher nicht erlaubten Anteilen. Vielleicht kann es so gelingen, Sensibilität und Empathie nicht als Bürde, sondern als Wachstumschance zu verstehen. Zu erlernen und sich zu gestatten, neben der Sensibilität für Andere, sein Umfeld, auch eine liebevolle Sensibilität für sich selbst entwickeln zu dürfen.
    Liebe Grüße,
    KP

    Antworten

Liebe Kristina!
Es ist schon einige Monate her (August/September 2018), dass ich auf Ihre Seite und die Artikel zum Thema Empath/Narzisst gestoßen bin.
Zu dieser Zeit hatte ich bereits alles über Narzissten, Ihre Pathologie, Ihre Manipulationstechniken, den Narz. Kreislauf usw. gelesen/gehört, was das Netz hergegeben hat. Und da stand ich nun mit dem ganzen Wissen… zwar froh, dass das Kind endlich einen Namen hatte und ich dadurch den Ausstieg aus dieser hochmanipulativen, zerstörerischen Beziehung geschafft hatte, jedoch immer noch auf der Stelle tretend, voller Schmerz, Wut und Selbstzweifel. Wütend auf ihn und darauf, was er mir alles angetan hatte und wütend auf mich, dass ich es zuließ. Die Abwärtsspirale drehte sich weiter und ich wusste nicht, wie ich ihr entkommen und das Erlebte jemals verarbeiten sollte. Vom Erkennen der eigenen Anteilen wurde zwar in gewissen Foren immer wieder geredet, jedoch konnte ich mit dieser Aussage so gar nichts anfangen.
Als ich dann auf Ihren Artikel zur empathischen Wunde stieß, hat sich auf einmal alles zusammengefügt. Das hört sich sicher blöd an, aber mein ganzes Leben ist wie im Schnelldurchlauf an mir vorbeigezogen.
Immer suchte ich nach Liebe, Aufmerksamkeit und Anerkennung und hatte aber immer das Gefühl, nichts davon wirklich verdient zu haben. War immer bemüht, jedem nur mein liebes, nettes, aufopferungsvolles Ja-Sager-Ich zu zeigen, aus Angst man könnte mich sonst nicht mehr lieben/mögen.
Nachdem ich alle Artikel gelesen hatte fühlte ich mich zum ersten Mal richtig BEFREIT und verstanden und dafür möchte ich mich nun endlich aus tiefstem Herzen bei Ihnen bedanken!!!!!
Durch Sie habe ich den Mut gefasst, an mir zu arbeiten, mich mehr zu lieben, meine Grenzen zu respektieren und zu verteidigen, Nein zu sagen wenn es erforderlich ist und das Erlebte endlich hinter mir zu lassen! Keine Wut mehr auf ihn, keine Wut mehr auf mich. Nur Dankbarkeit für diese Erfahrung, ohne die ich, so furchtbar sie auch war, immer noch in meinen alten Mustern feststecken würde.
Und natürlich Dankbarkeit dafür, dass das Schicksal es gut mit mir gemeint hat und mich zu Ihnen geführt hat 🙂 Alles Liebe, Verena

Antworten
    Kristina Peters
    17. Februar 2019 7:47

    Liebe Verena,
    allerherzlichsten Dank für diese Zeilen, die mich sehr berühren. Da sind schon viele Wunder auf Ihrem Weg passiert und ich freue mich sehr, dass Sie sich BEFREIT und verstanden fühlen durften. Das ist gut. Und da ist auch Dankbarkeit für das Erlebte – und auch das ist gut. Liebe und Akzeptanz für Sie und alle Ihre Teile – auch wenn das auf diesem Weg die Herausforderung ist. Dadurch dürfen die Dinge in die Veränderung kommen. Und so hat alles seinen Sinn und dient unserem, Ihrem Wachstum. Ich freue mich und – herzlichen, herzlichen Dank für die Rückmeldung <3.
    Von Herzen alles Liebe und Gute,
    Kristina Peters

    Antworten

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