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11 essentielle Punkte über „Empathen“, die Du kennen solltest

11 essentielle Punkte über „Empathen“, die Du kennen solltest

Ob Du selbst „Empath“ (ich verwende analog „hochsensibel“) bist oder in einer Freundschaft/Beziehung mit einem „Empathen“ zusammen bist – es gibt einige Dinge, die Du generell wissen solltest. Der nachfolgende Artikel basiert einerseits auf Erfahrungen im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit, andererseits auf eigenen Erlebnissen als „hochsensibler“ Mensch. Hier durfte ich vor allem bzgl. der Beziehungsdynamik mit anderen Menschen schon einiges lernen. Ich verwende die Begriffe “Empath” und “Narzisst” nicht in wertender Art und Weise, sondern beziehe mich auf diese Begriffe zur Beschreibung der Beziehungsdynamik und bestehender Tendenzen. Auch ein Empath kann sich narzisstisch verhalten – doch dazu später mehr.

Dieser Artikel bezieht sich auf die Kernmotive und das grundsätzliche Erleben von “Empathen” und soll zum Verständnis beitragen – was hochsensible Menschen empfinden und dadurch auch in der Lage sind zu bewirken, ist ein kostbarer Schatz. Der Umgang mit dieser Besonderheit bringt häufig besondere Herausforderungen mit sich, deren Betrachtung mir lohnenswert erscheint.

1. Empathen sind in hohem Maß empfänglich für die Gefühle ihrer Mitmenschen
Auch wenn ich polarisierende Begriffe nicht mag, so kann ich mich doch zu den “Empathen” zählen. Früher (und auch heute) konnte (und kann) ich innerhalb von Millisekunden die Stimmung einer Situation einfangen. Als ich jünger war ging ich davon aus, dass alle Menschen das ebenso empfinden. Ob ein Streit in der Luft lag oder ein Elternteil „abwesend“ war – ich spürte das sofort und auch die dahinter befindlichen Gefühle. Nicht selten war ich damit überfordert. Bei dieser “Empfangsbereitschaft” handelt es sich nicht um ein Begreifen mit dem Verstand – der Empath „verschmilzt“ mit der Situation und den Gefühlen, die in ihr schwingen. Die Wissenschaftlerin Elaine N. Aron bringt dies in ihrem Buch “Sind sie hochsensibel?” mit einer bei Hochsensiblen (HSP) neuronal dichteren Vernetzung in Zusammenhang – wodurch ihrer Theorie nach Reizeingänge intensiver wahrgenommen und eben auch verarbeitet werden müssen.

2. Empathen verhalten sich (meistens) zutiefst menschlich, verzeihen schnell und “leiden” mit
Aufgrund ihrer Fähigkeit zum „Einfühlen“ verstehen Empathen intuitiv, dass verletzendes Verhalten Dritter oft selbst auf einer Verletzung beruht. Dadurch können sie Menschen schneller verzeihen und “entschuldigen” dadurch indirekt deren Verhalten. Im Grunde ist dies eine äußerst wertvolle Eigenschaft, weil sie den in zwischenmenschlichen Beziehungen häufig vorherrschenden Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen vermag. Empathen leiden wirklich mit, wenn ein ihnen nahestehender Mensch leidet – weil sie so verbunden sind.

3. Empathen lieben bedingungslos und „heilen“ oft durch ihre bloße Anwesenheit
Dieses “Heilen” geschieht oft ohne bewusstes Zutun der empathischen Menschen. Es liegt in ihrer Natur, automatisch und intuitiv zu spüren, was der andere in diesem Moment „braucht“. Durch die bedingungslose Akzeptanz, das Verständnis und die durch sie fließende Liebe geschieht es fast von selbst, dass sie bedingungslos geben. Tiefe Verbundenheit ist für sie gefühlte Realität, der andere wird als nicht getrennt von sich wahrgenommen. Durch diese Verbundenheit spüren sie am eigenen Leib, im eigenen Energiesystem, was in der Situation hilfreich für den anderen ist und auch dessen Erleichterung und inneren Frieden, wenn dieser sich wortlos verstanden fühlt. In diesen Momenten erleben Empathen tiefe Dankbarkeit für ihr eigenes Sein und fühlen sich am richtigen Fleck.

4. Empathen erleben alles intensiver und sind daher häufig reizüberflutet
Das Gefühl ständiger Verbundenheit kann auch anstrengend sein. Kontakt mit lauten, viel redenden und aggressiven Menschen kann dem empathischen Menschen überfordern, erschöpfen und depressiv machen. Es sind eben alle Eindrücke, die er aufnimmt – Gerüche, Geräusche, Gefühle, taktile Empfindungen – aber auch die nicht sichtbare „energetische Ebene“ wird von ihnen weitaus intensiver wahrgenommen werden. Strömt zu viel auf den empathischen Menschen ein, kann aus der Reizüberflutung Verwirrung entstehen, innere Unruhe und auch körperliche Beschwerden (Kopfschmerzen, Übelkeit, Verspannungen) können die Folge sein.

5. Empathen brauchen Zeit für sich, um sich zu erden, zu regenerieren, sich zu reinigen und zu schützen
Empathen spüren sich nur dann vollkommen selbst, wenn sie mit sich alleine sind, ihrem emotionalen und Nervensystem Zeit geben können, um aufgenommene Reize zu verarbeiten, sich von Energien Dritter zu reinigen (z.B. “Reiki for Empaths”), sich zu erden und aufzutanken. In dieser Zeit können sie das sie umgebende Energiefeld selbst gestalten und Umstände schaffen, die sich heilsam auf sie auswirken. Meditation, Spaziergänge in der Natur, Gebete, Rituale, Energiearbeit oder das liebevolle Zubereiten von Speisen können den empathischen Menschen wieder ins Gleichgewicht bringen. Da nach meiner Erfahrung die meisten Empathen einen natürlichen Zugang zur geistigen Welt und zum Göttlichen Ursprung haben, kann der Aufbau und die Pflege einer schützenden Aura hier sehr hilfreich sein (z.B. “Reiki for Aura Protection”). Mir selbst hilft auch immer ein Gespräch mit Gott oder Jesus, wo ich alles “abgeben” darf.

6. Empathen im Spagat zwischen Selbst- und Fremdfürsorge
Die in der Natur empathischer Menschen liegende Verbundenheit macht es ihnen oft schwer, „nein“ zu anderen zu sagen. Weil sie automatisch das Bedürfnis des anderen mitfühlen, spüren sie auch dessen Enttäuschung wiederum am eigenen Leib. Deswegen wiegt das Bedürfnis der anderen oft (mindestens) ebenso stark, wie ein eigenes. Gerade zu Beginn “vermengen” sich diese Bedürfnisse auch sehr stark. Gerade in jungen Jahren – wenn der Empath sich noch nicht gut genug kennt fällt, die Unterscheidung zwischen “meins” und “deins” oft schwer. Mitunter kann es sein, dass das eigene Bedürfnis nach Regeneration und Selbstfürsorge vielleicht nicht so stark ist, wie das Bedürfnis des anderen, gehört zu werden. Und genau diese energetische Entsprechung führt dazu, dass das Bedürfnis des anderen “lauter” gespürt wird. Nicht selten führt das dazu, dass empathische Menschen sich mehr um andere, als um sich selbst kümmern und so mit der Zeit “ausbrennen”.

7. Empathische Menschen offenbaren ihre Gefühle nur zögerlich
Mit ihrer erhöhten Sensibilität verstehen Empathen schon relativ früh, dass sie sich in mancher Hinsicht von anderen Menschen unterscheiden. Die existierenden gesellschaftlichen Strukturen bereiten ihnen aufgrund der darin ausgedrückten Werte (Ellbogenverhalten, Leistungsorientierung, Wettbewerb, “grober” Umgang) häufig Probleme. Sie verstehen die “Regeln des Spiels” zwar und akzeptieren diese auch, erleben aber in der täglichen Auseinandersetzung mit den auf sie einströmenden Reizen eine deutliche Beanspruchung. Körperliche und seelische Erschöpfung, Rückzugswünsche treffen nicht selten auf Unverständnis oder invalidierende Bemerkungen: „stell dich nicht so an!“ oder „jetzt übertreibst du aber!“, “sei doch kein Spielverderber!”. Der empathische Mensch leidet an dieser Stelle, weil er selbst hier Verständnis hat und verbunden sein möchte – andererseits aber nicht aus seiner Haut kann. Aufgrund der erhöhten Empfindsamkeit werden derartige Erfahrungen als sehr schmerzhaft erlebt – wobei der Empath auch hier wie selbstverständlich Verständnis für das Unverständnis seiner Mitmenschen aufbringt. Seinen Schmerz des Unverstandenseins macht er oft mit sich selbst aus, wobei in ihm eine tiefe Sehnsucht brennt, selbst verstanden zu werden. Um diesen wiederholt schmerzhaften Erlebnissen von Unverständnis aus dem Weg zu gehen, hört er vielleicht irgendwann auf, seine eigenen Gefühle mitzuteilen und lernt zunehmend, sein Innenleben zu schützen und mit sich selbst zufrieden zu sein. Über die Zeit kann der Empath Gefahr laufen, sich ganz zurückzuziehen und die verheerende Überzeugung zu entwickeln, „falsch“ zu sein.

8. Empathen legen sich manchmal eine extravertierte „Schutzhülle“ zu
Da Empathen einerseits sehr viel spüren und wahrnehmen, andererseits aber vermehrt die Erfahrung von Unverständnis machen, versuchen sie sich manchmal durch den Aufbau einer „Schutzhülle“ in der Welt zurechtzufinden. Sie orientieren sich an den „Regeln des Spiels“ und versuchen sich im Umgang mit anderen den Gegebenheiten anzupassen. Für den Empathen fühlt sich das einerseits gut an, weil er dadurch „besser funktioniert“ und weniger invalidierenden Kommentaren ausgesetzt ist, andererseits erlebt er auch Gefühle von Entfremdung und Anstrengung, weil er seine eigene Sensibilität nach außen verleugnet. In diesem “Schauspiel” ist er nicht im Kontakt mit seiner wahren Natur. Manchmal erkennt man einen Empathen daher nicht direkt, weil er nach außen eher “stark” zu wirken versucht. Bei manchen Empathen geht die Maskierung so weit, dass sie nach außen fast “narzisstisch” wirken und sich teilweise auch so (egozentrisch) verhalten. Wie bei einem narzisstischen Menschen ist die Funktion dieses Verhaltens ein Schutz. Auch wenn das Verhalten nahezu gleich erscheinen mag, sind die dahinter befindlichen Motive verschieden: Der Empath ist im Grunde sensibel und übereinfühlend für alle Empfindungen anderer – durch sein Verhalten versucht er auf sich konzentriert zu bleiben und nicht von auf ihn einströmenden Empfindungen abgelenkt zu werden. Der Narzisst setzt das (egozentrische) Schutzverhalten ein, um sein instabiles Selbstbild bedrohende Einflüsse von sich abzuwenden und die dahinter befindliche Wunde zu verbergen.

9. Der Empath in Beziehungen
Wenn ein empathischer Mensch eine Liebesbeziehung eingeht, ist dies alleine schon eine große Herausforderung. Damit lässt er sich auf eine verbindlichere Beziehung ein, in der er Höhen und Tiefen wiederum sehr viel intensiver erlebt als andere Menschen. Der Spagat zwischen Selbst- und Fremdfürsorge ist hier noch viel ausgeprägter. Durch die (auch körperliche) Nähe wird es unbedingt erforderlich, dass der Empath immer wieder in die Klärung “was ist meins?” und “was ist deins?” geht. Häufig sind die Gefühle für den Empathen eingangs so überwältigend, dass er gezielten Rückzug einplanen muss, um wieder bei sich anzukommen, das Erlebte zu verarbeiten. Der Empath darf hier für sich selbst Verantwortung übernehmen lernen und geht in Beziehungen oft durch einen langen Lernprozess. Denn es bedeutet, 1. die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, 2. diese nicht mit den Bedürfnissen des Partners zu verwechseln, sie 3. ernst zu nehmen und 4. dem geliebten Menschen mitzuteilen, dass die eigenen Bedürfnisse wichtig und sich 5. um diese zu kümmern. Im Grunde fühlt es sich für den Empathen so an, als handle er wider seiner Natur. Hier liegt aber auch eine der wichtigsten Lernaufgaben des empathischen Menschen, um die Basis für eine Be-Ziehung schaffen und halten zu können: Nur zwei voneinander unabhängig existierende und selbstfürsorglich agierende Wesen können sich in gesunder Weise aufeinander be-ziehen.

10. Die Lernaufgaben des Empathen

a. Unterscheidung zwischen „ich“ und „der andere“
Erlebte Verbundenheit spüren und gleichzeitig verstehen, dass ich „für mich alleine existiere”. Oft wird das als Widerspruch erlebt, der sehr viel Verwirrung und Unruhe stiften kann. Der Empath spürt oft über große Entfernungen die Gefühle seiner Mitmenschen und sieht sich oft nicht imstande, diese „abzuschalten“. Dies kann v.a. nach Streits oder Trennungen lange Zeit sehr belastend für Empathen sein, wenn sie widerstreitende Gefühle von Liebe und Ablehnung gleichzeitig erleben. Nach einer emotionalen Verletzung empfindet er Schmerzen, das Bedürfnis nach Schutz vor dieser Person, möchte aber gleichzeitig die Verbundenheit spüren (weil er es ja emotional auch von der Seite des Gegenübers wieder versteht). Er erlebt vieles gleichzeitig und kann oft gar nicht so genau differenzieren: „was ist meins und was gehört dem anderen?“. Das Resultat sind Verwirrung, innere Unruhe, vielleicht (unbegründete) Schuldgefühle. Gerade deswegen ist es für empathische Menschen so wichtig, sich die Zeit zu nehmen, unterscheiden und sich kennenzulernen. Die Fähigkeit, sich selbst zu kennen und zu stärken, anstatt das Gefühl/Bedürfnis des anderen für das eigene zu halten. Denn das ist auch für das Gegenüber empathischer Menschen verwirrend – sie erhalten widersprüchliche Signale und wissen diese nicht zu deuten. Oder der empathische Mensch “unterstellt” dem Gegenüber das eigene Gefühl und macht ihn dadurch (unbewusst) für sein Erleben verantwortlich. Die Unterscheidung zwischen Materie (Körper) und Seele (Gefühle) ist wichtig. Es existiert eine Verbundenheit auf der Gefühlsebene, körperlich und seelisch ist der empathische Mensch (wie jeder andere) aber für sein eigenes Wohlergehen verantwortlich.

b. Den eigenen Wert schätzen lernen
Für den empathischen Menschen ist es wichtig, sich kennenzulernen und herauszufinden, was ihm gut tut und dafür selbst die Verantwortung zu übernehmen. Aufgrund der frühen, invailidierenden Erfahrungen haben empathische Menschen oft ein geringes Selbstwertgefühl entwickelt (“ich bin falsch”) und nehmen ihre eigenen, von anderen selten verstandenen Bedürfnisse nicht ernst oder haben gelernt, diese zu ignorieren. Vielleicht kennen sie sich dadurch auch nicht wirklich selbst. Weil sie sich in ihrem Dasein für andere oft dankbar und glücklich fühlen, laufen sie Gefahr, sich darin “zu verlieren”, entfremden sich dadurch von sich selbst und beginnen, ihr Dasein für andere als einzigen Sinn ihrer Existenz zu sehen. Der Empath wird zum “Fähnchen im Wind”. Die fehlende Erdung, das ausbleibende “bei sich ankommen”, die Vernachlässigung eigener Bedürfnisse wirken sich auf Selbstbild und Nervensystem des Empathen sehr ungesund aus. In der Ignoranz eigener Bedürfnisse geben sie ihrer eigenen, empfindsamen Seele zu verstehen, dass sie es sich selbst nicht wert sind. Wenn der Empath sich andauernd für andere „gibt“, ohne dabei an sich selbst zu denken, kann dies (wie bei jedem anderen Menschen) irgendwann dazu führen, dass er „platzt“, wütend wird, Vorwürfe äußert und Forderungen an sein Gegenüber stellt, für die er im Grunde selbst verantwortlich ist. Nämlich, dass für ihn gesorgt wird. Der Empath hat die Herausforderung zu meistern, die Verantwortung sich selbst ggü. wahrzunehmen, seinen Wert selbst zu schätzen, indem er sich Gutes tut und sich Zeit nimmt, bei sich selbst anzukommen. Nicht zuletzt liegt es auch in der Verantwortung des Empathen, das Zusammensein und die Verbindung mit anderen dahingehend zu prüfen, ob diese ihm gut tun oder ob er hier nur als “Geber” dient.

c. Loslassen in komplementären Beziehungen – Empath und „Narzisst“
Durch Offenheit, Einfühlungsvermögen und nahezu bedingungslose Fähigkeit zu Verzeihen zieht der Empath nicht selten „verletzte“ Menschen in sein Leben, die oft unbewusst einen tiefen Schmerz in sich tragen, ohne selbst einen bewussten Zugang dazu zu haben (oder haben zu wollen). Der “Narzisst” ist sich seiner Verletzung selten wirklich bewusst, hat im Gegensatz zum Empathen keinen tieferen, emotionalen Zugang zu sich selbst und dadurch auch nicht zu anderen. Narzisstische Menschen haben oft ein sehr fragiles Bild von sich selbst, das sie durch den bereits oben erwähnten Schutz zu verdecken versuchen. Der oft mit traumatischem Erleben verbundene und gut versteckte Schmerz führt zu einem anhaltenden Bedürfnis nach Bestätigung und bedingungsloser Zuwendung. Der empathische Mensch spürt diese Bedürfnisse und den Schmerz und verhält sich entsprechend seiner Natur mitfühlend und verständnisvoll. Die energetische Reaktion zwischen diesen beiden kann sich zu Beginn wie die Vollendung eines Puzzles anfühlen: Unausgesprochen fühlt sich der Empath hier “richtig”, weil er durch die Reaktion des Narzissten auf sein Dasein spürt. Es wird bedingungslose Zuwendung und Bestätigung gesucht, die der Empath einbringen kann. Der Empath spürt diese Passung und führt die Freude des Narzissten auf seine Person zurück und hat das Gefühl, endlich selbst verstanden zu werden. Der Narzisst aber, ist vordergründig an der “Ware” interessiert (oft ohne dies zu wissen) und kann (oder will) sich gar nicht wirklich auf den Empathen einlassen. Dieser kann ihm “gefährlich” werden. Denn über die Jahre hat er gelernt, seinen Schmerz gut zu deckeln, ihn einzumauern und erlebt maximale Panik, wenn sich ihm jemand wirklich nähert, was in der Beziehung mit einem Empathen irgendwann unausweichlich wird. Der Narzisst möchte lediglich die Zuwendung des Empathen genießen und beginnt spätestens dann verteidigend um sich zu schießen, wenn der Empath ihm näher kommen möchte, eigene Bedürfnisse äußert oder „aus der Rolle fällt“. In dieser „Kollusion“ erlebt der Empath anfangs in der Verbundenheit mit dem Narzissten das Gefühl, am richtigen Platz zu sein. Irgendwann, wenn er eigene Bedürfnisse anzusprechen beginnt oder feststellt, dass der Narzisst nicht in gleicher Weise für ihn da sein möchte (und kann), bricht das Bild des Empathen. Im emotionalen Wechsel zwischen Empfindungen liebevoller Verbundenheit (für seine Zuwendung) und verteidigender Ablehnung (für das Einbringen seiner Bedürfnisse, die vom Narzissten als Angriff auf seine Person, als “Kritik” gedeutet werden), erlebt der Empath maximale Verwirrung. Er “versteht” den Narzissten und liebt ihn aufrichtig, spürt aber auch deutlich die eigenen Bedürfnisse und “dass da etwas nicht stimmt”. Er leidet, weil er einen Menschen liebt, der ihn “vergisst”, nicht auf ihn eingeht, ihn Tage lang warten lässt und ihm implizit zu verstehen gibt, dass seine Bedürfnisse und Empfindungen unwichtig oder “überzogen” sind. Der Empath leidet, möchte dieses Gefühl wieder “gut machen”, den Ursprungszustand wieder herstellen und bekommt erneut “eine vor den Latz”, weil der Narzisst lediglich auf sich selbst konzentriert ist und sich neuerlich “bedroht” fühlt. In dieser Dynamik geht für den Empathen darum, dieses Muster zu erkennen und in die Selbstfürsorge zu gehen. Für den Empathen bedeutet das – den geliebten Menschen zu „verlassen“, was ihn emotional zerreisst und extremes Leiden nach sich ziehen kann. Aufgrund des narzisstischen Abwehrverhaltens (Verleugnung und Abspaltung der Gefühle) landen die gesamten Gefühle beim Empathen. Der Narzisst hat im Gegensatz zum Empathen einen dicken Schutzwall, an welcher er alle Empfindungen abprallen lässt und dem Empathen aufgrund seines “unangemessenen und kritisierenden Verhaltens” (für den Empathen = notwendiger Selbstschutz) die Schuld zuspricht und einfach weiterzieht. Der Empath bleibt nicht selten verwirrt, verängstigt und traumatisiert zurück. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass sowohl Empath als auch Narzisst innerlich zutiefst verletzt sind, damit aber völlig unterschiedlich umgehen. Der Empath öffnet und verbindet sich, durchlebt alles, während der Narzisst alles an sich und seiner Mauer abprallen lässt. Die Lernaufgabe des Empathen liegt darin zu erkennen, dass der um seiner selbst willen loslassen muss, wenn der Narzisst nicht bereit ist, auf ihn einzugehen – einfach um sich selbst zu retten. In dieser Begegnung lernt der Empath meist schmerzhaft, dass er von anderen unabhängig für sich selbst Verantwortung übernehmen, seine eigenen Bedürfnisse ernst nehmen muss, um gesund zu bleiben.

d. Gesunde Grenzen setzen
Empathischen Menschen fällt es schwer, sich einem geliebten Mitmenschen nicht zuzuwenden. Um sich wohl zu fühlen braucht der Empath aber einen „Schutzraum“, in dem er sich geborgen und sicher fühlen kann. Für diesen Schutzraum ist er selbst verantwortlich. Nicht selten geht der Empath davon aus, dass andere Menschen sich ebenso umsichtig verhalten werden, wie er selbst. Aufgrund des ausgeprägten Mitgefühls und Verständnisses „entschuldigen“ Empathen oft das Verhalten geliebter Menschen, auch wenn dieses sie schmerzt und leiden lässt (siehe c.). Hier ist der Empath aufgefordert, authentisch zu werden – d.h. im Kontakt mit sich selbst und seinem Empfinden zu bleiben und gemäß seiner eigenen Wahrheit zu handeln. In diesem Prozess gilt es, Techniken zu finden, um zur Ruhe zu kommen, die Aufmerksamkeit auf die eigenen Gefühle (und nicht die der anderen) lenken zu lernen, auf Erwartungen und Bedürfnisse von Dritten nur dann einzugehen, wenn es in Übereinstimmung mit der eigenen inneren Wahrheit steht. Und sich herauszuwagen und “nein” zu sagen – und dann das Erleben dieser damit in Verbindung stehenden Gefühle anzunehmen.

e. Über eigene Bedürfnisse/Gefühle sprechen
Der Empath lässt nicht selten die Mitteilung seiner eigenen Bedürfnisse und Gefühle außer acht, weil er in der Vergangenheit oft Ablehnung und Unverständnis erlebt hat. Wenn der Empath seinen Wert als Mensch anerkennt und sich in seinem Sein akzeptieren gelernt hat, gilt es im nächsten Schritt, auch dafür aufzustehen und sich mitzuteilen. Wenn der Empath sich nicht für sich selbst einsetzt und äußert, was ihm gefällt und was nicht, zeigt er sich nicht. Und wenn er sich nicht zeigt, nimmt er anderen Menschen dadurch auch die Möglichkeit, wirklich mit ihm in Kontakt zu treten, für ihn da zu sein. Um wirklich in der Welt anzukommen braucht es das Selbstbekenntnis des Empathen „so bin ich“. Der Empath darf lernen, ein für ihn schmerzhaftes Verhalten Dritter anzusprechen. Er darf lernen zu verstehen, dass er dadurch nicht den Menschen selbst, sondern lediglich dessen Verhalten ablehnt.

f. Auf Abwertungen und Missachtung angemessen reagieren
Trifft der Empath auf Menschen, die in ihren Aussagen und ihrem Verhalten zu erkennen geben, dass sie sich nicht auf das Wesen und die Bedürfnisse des Empathen einlassen wollen/können, ist es Aufgabe des Empathen, in einen gesunden Abstand zu gehen. Natürlich setzt dies voraus, dass der Empath zu sich steht und sich mitteilt. Wenn das Gegenüber wiederholt abwertend oder invalidierend reagiert, kann der Empath dies ansprechen. Wenn der Empath erkennt, dass das Gegenüber nicht auf ihn eingeht, geht es sehr wahrscheinlich nicht um den Empathen selbst, sondern um das, was er “zu bieten” hat (bedingungslose Liebe, Einfühlung, Verständnis). Dann bleibt dem Empathen keine Wahl mehr – er muss sich schützen (davor eine “Tankstelle” zu werden). Dies fordert dem Empathen wiederum einiges ab: er hat bedingungsloses Verständnis und spürt hinter oft verletzenden Verhaltensweisen das Bedürfnis, die Wunde oder das Unvermögen der anderen Person. Es fällt dem Empathen sehr schwer, an dieser Stelle seine eigenen Bedürfnisse über die der anderen Person zu stellen. Tut er dies jedoch nicht, verursacht er durch diese Missachtung der eigenen Person sein eigenes Leid – weil er im Grunde seine Bedürfnisse, seine Wahrheit und sein Wohlbefinden dem einer anderen Person unterordnet.

11. Zusammenfassung
Empathen spüren Stimmungen, Gefühle und Erwartungen anderer Menschen oft so, als seien es die eigenen. Sie sind durch ihr tiefes Verständnis in der Lage, anderen Menschen durch ihre bloße Anwesenheit „Heilung“ zukommen zu lassen. Ihre Liebe und ihr Mitgefühl ist grenzenlos und begleitet vom tiefen Wissen, dass alles mit allem verbunden ist. Darin liegt eine tiefe Weisheit. In Beziehungen können Empathen auf Basis von bedingungsloser Liebe für andere dazu neigen, ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle unterzuordnen. Der empathische Mensch darf diese bedingungslose Liebe nicht nur anderen, sondern in erster Linie sich selbst zukommen lassen. Das bedeutet, sich selbst zu umarmen, Bedürfnisse mitzuteilen und gesunde Grenzen zu setzen, wenn ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse vom Gegenüber nicht gehört werden wollen/können.

Jeder Mensch ist wertvoll und besonders – auch Du!
Wenn Du Dich zu den Empathen zählst: denke daran, dass Deine Liebe Dich selbst einschließen darf! Du darfst an Dich selbst denken und gesunde Grenzen setzen! Mache Dir bewusst, dass Deine fehlende Selbstliebe und -wertschätzung auch Deine Mitmenschen und Liebsten treffen wird! Versuche zu verstehen, dass Deine Mitmenschen nicht dafür verantwortlich sind, Dich zu versorgen – diese Verantwortung liegt bei Dir! Und es ist Dein Geburtsrecht, in Deiner eigenen Fülle zu leben und zu lieben. In Dir sprudelt eine Quelle der Liebe und Heilung, die geschützt werden darf und an der Du Dich selbst laben darfst <3

Wenn Du in einer Beziehung oder Freundschaft mit einem Empathen bist, kannst Du Dich glücklich schätzen: dieser Mensch wird immer für Dich da sein – auch in Deinen dunkelsten Stunden. Wenn es Dir wirklich um ihn geht und er Dir als Mensch wichtig ist: Achte ihn, versuche auch auf seine Bedürfnisse und Anliegen einzugehen, frage nach, sage ihm, dass er Dir wichtig ist (er muss es ab und wann hören). Nimm ihn in den Arm, wenn er verwirrt und überfordert ist. Lass ihn alleine, wenn er es braucht (und nimm es nicht persönlich). Mache aber auch Deine Grenzen deutlich. Manchmal muss der Empath daran erinnert werden, dass Du für Dich selbst Verantwortung übernehmen kannst und er es für sich darf und trotzdem geliebt wird.

Wenn Du Dich auf Deinem Weg in die Selbstermächtigung von mir begleiten lassen möchtest, darfst Du Dich gerne über mein Empath Empowerment Coaching informieren.
Ein unverbindliches Vorgespräch (20 Min.) ist übrigens immer kostenlos! Zum reinschmecken ;-). Nimm einfach Kontakt mit mir auf!

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