EMPATHIE UND NARZISSMUS

4 Ursachen fehlender Abgrenzung bei empathischen Menschen

4 Ursachen fehlender Abgrenzung bei empathischen Menschen

Bevor Du in dieses Thema eintauchst: Auf der Website Exit Gaslighting erhältst Du nach Anmeldung für den Newsletter einen Gratis-Kapitelabschnitt des Buches.

Buch über Gaslighting
Das Buch kann hier auf Amazon  (schwarz-weiß), bei Tredition (farbige Abbildungen) als E-Book oder im Buchhandel erworben werden.

 

Es gibt zahlreiche Artikel, Videos und Bücher, die sich dem Thema Abgrenzung widmen. Auch im psychotherapeutischen Kontext wird Abgrenzung als Basisfertigkeit vermittelt. Dabei liegt der Fokus sehr oft darauf, „Nein“ sagen zu lernen. Anderen unsere Grenzen klar aufzuzeigen. Das hat in jedem Fall seine Berechtigung! Gerade wenn Abgrenzung nicht gelernt wurde, ist es sehr wichtig, sich diese Kompetenzen anzueignen. In einem früheren Artikel habe ich bereits über empathische Abgrenzung und 6 Irrtümer beim Grenzen setzen geschrieben. Hier gehen wir jetzt ein wenig auf Ursachensuche.
Vor allem Menschen, die sich als empathisch bezeichnen, scheint Abgrenzung besonders schwer zu fallen. Woran liegt das? Und mit welchen tiefer liegenden Ursachen könnte das zusammenhängen?
Und ist aktive Abgrenzung überhaupt nötig?
In diesem Artikel möchte ich Dich zu einer Reise der Selbstreflektion einladen.

 

1. „Fremdfeldern“ – Der Ausstieg aus dem eigenen Feld – Leck in der Abgrenzung

Prüfe einmal für Dich, inwiefern Du beim Kontakt mit anderen Menschen aus Deinem eigenen „Feld“ aussteigst. Wie gut kannst Du „bei Dir bleiben“, wenn Du von Menschen umgeben bist? Siehst Du die Welt, die Ereignisse durch Deine Augen? Oder bist Du vielleicht schnell dabei, zu interpretieren und zu analysieren, wie Andere die Situation oder Dich wahrnehmen (könnten)? Wie sie sich fühlen, was sie gerade brauchen (könnten)?
Solange Du Dein eigenes Feld dabei nicht verlässt, ist das kein Problem. Doch beim Phänomen des „Fremdfelderns“ (Eigenkreation) verlässt Du das eigene Feld. Zumindest gedanklich begibst Du Dich in die Felder anderer Menschen. Dadurch siehst Du die Situation nicht mehr durch Deine Augen, sondern durch die interpretierte Sicht eines anderen Menschen. Dies stellt das erste Leck in Deiner Abgrenzung dar. Wenn Du Dein Feld verlässt, verlierst Du das Gefühl dafür, wer Du bist, wie Du Dich fühlst. „Fremdfeldern“ hebt die Gefühlsgrenzen zwischen Dir und anderen Menschen auf.

 

2. Projizierte Bedürfnissymbiose – Übernahme unterstellter Bedürfnisse – Verwischen der Abgrenzung

Dieses Wortungetüm der projizierten Bedürfnissymbiose ist mir eingefallen, weil es den Nagel auf den Kopf trifft. Vor allem Menschen, die sich als empathisch erleben, können hierzu neigen. Hat man das eigene Feld verlassen (1.), wird im zweiten Schritt dem Gegenüber ein Gefühl oder Bedürfnis unterstellt. Das geschieht meist unbewusst. In der Annahme, der Andere würde wirklich das fühlen, was man selbst fühlt. Dabei wird oft vergessen, dass das eigene Fühlen seinen Ursprung immer im eigenen Feld hat.
Die projizierte Bedürfnissymbiose transferiert eigene Bedürfnisse oder Gefühle in das Feld des Gegenübers (ähnlich der Schuldexternalisierung beim Narzissmus!).
Der denkende Verstand operiert unbemerkt im Hintergrund: Man stellt sich vor, man wäre selbst in der Situation des Anderen und spürt dann, was man selbst in der selben Situation fühlen würde. Das wäre sogar Teil einer gesunden, empathischen Basisfertigkeit, wenn man nicht zuvor das eigene Feld verlassen hätte (1.).
Die projizierte Bedürfnissymbiose kann ein Relikt der Kindheit sein. Siehe hierzu den Artikel über die empathische Wunde. War ein Elternteil sehr bedürftig oder egozentrisch, kann das Kind gelernt haben, die Bedürfnisse des Erwachsenen „zu lesen“ und diese durch die Anpassung seines Verhaltens zu „versorgen“. Daraus kann sich im Erwachsenenalter ein Automatismus entwickeln, bei dem sich die Gefühle und Bedürfnisse des Gegenübers tatsächlich wie die eigenen anfühlen!
Es kann sehr gut sein, dass die projizierte Bedürfnissymbiose ein Teil eines verinnerlichten Beziehungsdrehbuchs ist, das Du unbewusst immer wieder wiederholst. Vielleicht gefühlt wiederholen musst. Beziehungsdrehbücher sind ein weiteres, spannendes Thema, zu dem es demnächst auch einen Online-Kurs geben wird. Falls Dich dies interessiert, trage Dich gerne für den Newsletter ein.

Falls Du das Gefühl hast, dass dies auf Dich zutrifft, bitte ich Dich um Dein Verständnis Dir selbst gegenüber. Vielleicht weißt Du einfach (noch) nicht, wie Du überhaupt Zugang zu Deinen eigenen Bedürfnissen und Gefühlen herstellen kannst, weil dieser Platz immer durch die Gefühle und Bedürfnisse Anderer „besetzt“ war (oder noch ist).

Vorsicht: Etwas ganz anderes ist es, wenn Du ein gewisses „Grundgefühl“ hast und gleichzeitig gut „mit Dir“ (und Deinem Erleben) in Kontakt bist. Falls dann jemand dieses Gefühl bestätigt, uns ggf. sogar einlädt, darüber zu reden, ist das keine projizierte Bedürfnissymbiose!
Dann sind die Bedürfnisse klar kommuniziert.

 

3. Stellvertretende Versorgung fremder Bedürfnisse – Entgrenzung statt Abgrenzung

Wenn unbewusste Bedürfnisse und Gefühle (oder Ängste!) in uns sind kann es sehr leicht geschehen, dass wir diese auf einen anderen Menschen projizieren (2.). Viele Menschen, die sich als empathisch bezeichnen, versorgen ihre eigenen Bedürfnisse unbewusst im Gegenüber. Die bereits verschwommenen Grenzen sind aufgelöst. Entgrenzt.
Man könnte auch sagen, dass die eigenen Bedürfnisse in diesen Fällen „über Bande“ versorgt werden. Vergleichbar mit einem Billardspiel, bei dem die zu versenkende Kugel nicht direkt anvisiert wird (die eigenen Bedürfnisse). Anstatt zielgerichtet auf die Kugel zu zielen, wird ein komplizierter Stoß über die Außenbande oder eine andere Kugel (das Gegenüber) versucht, der dann die eigentliche Kugel versenken soll.
Eben dieser Mechanismus kann sich über bestehende Beziehungsdrehbücher oder Notfallprogramme (siehe Artikel hierzu) manifestiert haben.

 

4. Resonanz fehlender Abgrenzung – Uneingeladene Besuche

Die Crux an all diesen unbewussten Vorgängen ist: Sie stellen ein Verlassen Deiner Heimatzone, Deines Feldes dar. Mehr noch: Du bewegst Dich im Feld eines anderen Menschen. Das ist eine Grenzüberschreitung. Selbst wenn Du „die besten Absichten“ hast, kommunizierst Du damit indirekt: Grenzüberschreitungen sind ok.
Das Gesetz der Resonanz wirkt. Energetisch trägst Du damit eine Blaupause vor Dir her, die jede Menge uneingeladener Besucher in Dein Feld zieht. Je mehr Du in den Feldern anderer Menschen unterwegs bist, umso wahrscheinlicher ist es, dass Du uneingeladenen Besuch in Deinem Feld erhältst, vor dem Du Dich abgrenzen möchtest. Und damit hättest Du ja auch Recht: Hier hat niemand etwas verloren! Das ist Dein Feld!
Ebenso hast Du im Feld anderer Menschen erst einmal nichts verloren – es sei denn: Sie laden Dich aktiv dazu ein.

 

Dieser Beitrag soll eine Ergänzung zu jenen wertvollen Beiträgen und Werkzeugen sein, die aktive Abgrenzung ermöglichen und befürworten. Aktive Abgrenzung ist eine wichtige Kompetenz in einer mittlerweile grenzüberschreitenden Welt (im positiven, wie im negativen Sinne).
Auf energetisch-psychologischer Ebene stellt das ungefragte Eindringen in die Erlebenswelt eines anderen Menschen eine Grenzüberschreitung dar. Wir alle haben natürlich ein Gefühl für die Dinge, auch für das Erleben anderer Menschen. Das ist Teil eines empathischen Prozesses und er ist wichtig für reales Mitgefühl und gegenseitige Achtsamkeit.
Dieser Artikel möchte Dich zu mehr Bewusstsein einladen. Darüber, dass fehlende Abgrenzung oft schon viel früher beginnt und Grenzüberschreitungen manchmal ein energetisches Echo eines “Fremdfeldernd” sein können. Wir sollten uns in jedem Fall aktiv abgrenzen, wenn dies erforderlich ist. Doch wir sollten uns auch davor abgrenzen, unbewusst in die Felder anderer Menschen zu springen und ihnen Bedürfnisse und Gefühle zu unterstellen oder in ihrer Welt eine Interpretationsanalyse zu starten.
Viel wichtiger ist die Frage: „Was macht das mit mir, wenn ich den Anderen so sehe? Was wird in meinem inneren Universum ausgelöst?“. Das ist Dein Erleben. Und dieses, Dein Erleben muss nicht die Realität des Anderen sein. Es kann auch sein, dass Du richtig liegst. Doch nachdem Du Dein Innenleben geklärt hast, frage lieber aktiv und offen nach: „Wie geht es dir damit gerade? Wie erlebst du das? Was wünschst du dir?“ und prüfe dann, ob Du dies mit Dir und Deinem eigenen Innenleben vereinbaren kannst. Höre immer auf Deine Intuition! Traue Deinem Bauchgefühl. Dieses zählt für Dich und hat einen Wert.
Was beim Anderen passiert, das lasse beim Anderen. Halte Abstand von ungebetenen Schlussfolgerungen, Analysen und Interpretationen. Tu dies wirklich nur, wenn Du dazu eingeladen wirst. Damit achtest Du die Grenzen Deines Gegenübers und vor allem auch Deine eigenen.
Gelingt Dir das immer öfter, dann kannst Du vielleicht „dauerhaft in Deinem Feld sein“ und auch „bei Dir bleiben“. Damit wirst Du viel weniger aktive Abgrenzung brauchen, weil Dir dann klar ist und bleibt, wo Dein Feld anfängt und wo es aufhört.

Von Herzen wünsche ich Dir ein gutes “bei Dir” sein, klare Grenzen und ein mitfühlendes, gesundes Einlassen auf die Sichtweisen und das Erleben anderer Menschen.

Namasté
Deine Kristina

 

P.S: Wenn Du Dich persönlich von mir begleiten lassen möchtest, kannst Du Dich hier direkt in meinem Buchungskalender mit einem kostenfreien Vorgespräch (20 Minuten) eintragen:

>>> Kostenfreies Vorgespräch direkt buchen

 

Über Rückmeldungen, Empfehlungen, Kommentare und das Teilen des Artikels freue ich mich sehr!
Wenn Du diesen (oder andere) Artikel bewerten möchtest – seit kurzem gibt es eine Review-Seite. Hier hast Du die Möglichkeit, Erfahrungsberichte und Bewertungen abzugeben.
Auch hierüber freue ich mich!

In meinem Blog versuche ich, einen echten Mehrwert für Dich zu schaffen. Mit meinen Artikeln möchte ich dazu beitragen, Dich in die Selbstermächtigung zu begleiten. Dir Anregungen, wertvolle Impulse und Ansatzpunkte anbieten. Du kannst unverbindlich den empathischen Newsletter abonnieren. Dadurch wirst Du bzgl. neu erscheinender Artikel immer auf dem neusten Stand sein. Hier kannst Du Dich eintragen (und natürlich jederzeit wieder abmelden).

 

Für empathischen Newsletter eintragen:
Cookies müssen hierzu aktiviert sein (rechts unten)!


Mit Eintragen Deiner E-Mail-Adresse akzeptierst Du die Datenschutzerklärung.
Bitte füge meine Mailadresse Kristina@freieresleben.com Deinem Adressbuch hinzu!
Falls Du keine Bestätigungsmail erhältst, schau auch in Deinem Spam-Ordner nach!

 

Ich möchte bezüglich der Inhalte auf das Urheberrecht verweisen. Die Artikel, also auch Annahmen und Hypothesen dürfen gerne geteilt und weitergegeben werden. Dies aber bitte immer nur unter Nennung der Quelle (meinem Namen und Angabe der Webseite).

 

Picture Credit:
Photo by Bessi @ pixabay
https://pixabay.com/images/id-838667/

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
Gaslighting
Gaslighting erkennen und aussteigen – 8 Anzeichen (Buchvorschau)

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden
Menü